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Konflikte um die wichtigste Ressource

Vortrag über die globalen Wasserkrisen in der Welt

BENSHEIM. Beim Treffen des Nord-Süd-Forum referierte Ulrich Grom über regionale, nationale und globale Wasserkrisen und gab einen Ausblick auf die zukünftige weltweite Wasserversorgung.

Wasser sei ein knappes Gut und im Gegensatz zu anderen Ressourcen nicht substituierbar. Deshalb mussten schon sehr früh in allen Kulturen kooperative Verhaltensregeln gefunden werden, um das Zusammenleben friedlich zu gestalten. Warum werden oder wurden einige dieser damit verbundenen Probleme gelöst, während andere zu Konflikten und Krisen führten?

Ein entscheidendes Kriterium sei die politische Verfasstheit eines Staates. Welche Priorität die Wasserversorgung für die Menschen eines Landes hat, darüber werden politische Entscheidungen getroffen, die wiederum Vorsorge- und Notfallpläne bereit halten oder oft leider auch nicht. Neben der Frage des guten Willens stellt sich die Frage nach der Umsetzbarkeit von Maßnahmen.

 Danach beschrieb Ulrich Grom ausführlich drei Gebiete auf der Erde, die als die größten Wasserkonfliktherde gelten und deren Probleme in erster Linie von Menschen gemacht sind. Sie betreffen die Anrainerstaaten der Flüsse Nil, Jordan sowie Euphrat und Tigris.

Am Nil ist der Unterlieger-Staat Ägypten militärisch zwar die stärkste Macht, sieht sich aber dennoch der Gefahr ausgesetzt , dass die am Nil liegenden Staaten Kongo, Tansania, Uganda, Kenia, Äthiopien, Eritrea und der Sudan durch übermäßige Entnahme von Nil-Wasser Probleme bereiten können.

Wohl der größte Wasserkonflikt der Welt besteht im Nahen Osten am Jordan zwischen den Staaten Israel, Jordanien und sämtlichen von Israel besetzten Gebieten.

Israel leitet Jordanwasser ab

Israel ist die überlegene militärische Macht in der Region und leitet derzeit 90 Prozent des gesamten Jordanwassers auf sein Staatsgebiet um. Kein anderer Staat lebt derart auf Kosten der Wasserversorgung seiner Nachbarn. Zwar gibt es mit Jordanien seit 1994 einen Friedensvertrag und eine verbindliche Regelung bezüglich der Wasseraufteilung, jedoch profitieren hiervon die Menschen im Gaza-Streifen und im Westjordanland nicht.

Eine problematische Situation ergebe sich an den Flüssen Euphrat und Tigris, deren Anrainerstaaten Türkei, Syrien und der Irak ebenfalls politische Instabilitäten aufweisen und bis heute keine verbindliche Regelungen hinsichtlich der Wasserverteilung getroffen hätten. Die Türkei ist als militärisch überlegener Oberlieger beider Flüsse klar im Vorteil und hat als Nato-Mitglied keine militärische Gegenwehr seiner Nachbarstaaten zu befürchten.

Ein weiteres Thema des Abends waren die Rechtsnormen, die sich die internationale Gemeinschaft gegeben hat, um den Zugang zu Wasser für alle Menschen möglichst gerecht zu regeln. Die Aussichten für die Durchsetzung des Menschenrechts auf sauberes Wasser seien allerdings düster.

Auf dem zweiten Welt-Wasserforum im Jahre 2000 konnte man eine ständige Verschlechterung durch die Klimaerwärmung und den rasanten Anstieg der Weltbevölkerung feststellen. Zu dieser Zeit ging man noch davon aus, dass bis zum Jahr 2005 nur noch 300 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hätten. Momentan leben immer noch 1,2 Milliarden Menschen ohne eine ausreichende Wasserversorgung – mit steigender Tendenz.

Überrascht waren die Zuhörer von der Einschätzung des Referenten, dass es zukünftig keine Kriege zwischen Nationalstaaten wegen Wasser geben werde. Die Konflikte werden sich zwar auf regionaler und lokaler Ebene verstärken und auch häufig zu Gewaltausbrüchen führen. Das bedeute aber nicht, dass Staaten zukünftig wegen des Zugangs zu Wasser Krieg führen würden.

Abkommen zwischen Staaten

Während der letzten 50 Jahre wurden mehr als 200 Abkommen zwischen Nationalstaaten getroffen, die die Wasserverteilung regeln. Ein Krieg um Wasser koste jeden Staat immer das Mehrfache der Durchführung möglicher Wasserinfrastrukturmaßnamen. Auch technisch sei es kaum möglich, über Jahre hinweg riesige Wassermengen zurückzuhalten oder zu stauen, um dem Nachbarstaat zu schaden. Ein Staat, der heute in aggressiver Weise einem anderen das Wasser abgraben oder einen Angriffskrieg deshalb beginnen würde, müsse mit Sanktionen der Weltgemeinschaft rechnen. red

© Bergsträßer Anzeiger, Freitag, 31.05.2013

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Wassermangel ein zentrales Menschheitsproblem

In der Dezember-Sitzung des Bensheimer Nord-Süd-Forums stand das Thema Wasser
im Mittelpunkt. Ulrich Grom, Mitglied beim Nord-Süd-Forum und Amnesty
International, berichtete in einem fast einstündigen Vortrag über viele Aspekte,
unter denen Wasser betrachtet werden kann. Neben der Hydrologie beschäftigen
sich eine Vielzahl von Wissenschaften, von der Meteorologie über die Biologie, der
Meeresforschung, Astronomie bis hin zur Friedens- und Konfliktforschung mit dem
Wasser.

Erstaunliche Zahlen und Fakten konnte der Referent nennen, die kaum
jemandem bekannt sein dürften, die aber das Ausmaß eines derzeit noch weltweit
unterschätzen Problems dokumentieren. Knapp 1,4 Milliarden Kubikkilometer
Wasser gibt es auf der Erde, wenn man alle Ressourcen zusammenrechnet. Dazu
gehören das Salzwasser der Meere ebenso wie das Süßwasser in den Seen und
den Flüssen, das Eis der Antarktis sowie die Gletscherschilde Grönlands und alle
unterirdischen Wasserspeicher der Erde.
Jeder Tropfen des Wassers auf der heutigen Erde kam während einer Phase der
Entstehungsgeschichte dieses Planeten, nämlich in einem Zeitraum vor 4,3 Mrd. –
3,9 Mrd. Jahren, durch ein Dauerbombardement von Kometen und Meteoriten, die
zum größten Teil aus Wasser bestanden, auf die Erde.

Von der riesigen Menge Wasser sind lediglich 2,5 % Süßwasser, das zu 61 % im Eis
der Antarktis, ca. 6 % in den Gletschern Grönlands und über 30 % in unterirdischen
Erdschichten gebunden ist  Auch in der Atmosphäre befinden sich ständig 13.000
km3 Wasser. Diese Wassermemnge ist uns praktisch nicht zugänglich.

Wasser kann, rein geologisch betrachtet, auch nicht verloren gehen, da die
Erdatmosphäre eine natürliche Grenze darstellt. Es verdunstet und wird Bestandteil
des Wasserkreislaufs oder versickert im Boden und sammelt sich in den
unterirdischen Speichern, wo es als Quelle wieder zutage tritt. Der hochkomplexe
Wasserkreislauf stellt nicht nur die Trinkwasserversorgung sicher, sondern ermöglicht
erst ein Klima auf der Erde.

Das Wasser ist auf der Erde extrem ungleich verteilt, was eine Menge Probleme
für die gesamte Menschheit mit sich bringt. Eine wachsende Weltbevölkerung
und ein ständig größer werdender Wasserverbrauch sind ebenso ein Problem, wie die
klimatischen Veränderungen, die mehr Wasser der Ozeane verdunsten lassen
aber leider so abregnen lassen, dass es immer wieder zu Überschwemmungen kommt.
Die höhere Verdunstungsrate des Indischen und Pazifischen Ozeans bringt Australien,
dem trockensten Kontinent der Erde, nichts, wenn das Wasser in Bangladesch abregnet,
das sowieso in Monsunregenfällen schier ertrinkt. Eines der größten Probleme ist
dann gegeben, wenn Wasser zu Abwasser wird, zwar nicht verschwindet,
aber als Wasserressource nicht mehr zur Verfügung gestellt werden
kann, da eine Reinigung unterbleibt. Fast 95 % des weltweiten Abwassers wird nicht
gereinigt und fließt ungeklärt in Meere, Seen oder Flüsse. Zudem hat die globale
Erderwärmung in vielen Dürreregionen der Erde dazu geführt, dass nicht mehr
zu wenig, sondern überhaupt kein Wasser mehr gefördert werden kann. Brunnen
versiegen gänzlich, weil Regenfälle über Jahrzehnte ausbleiben.
Auch ineffiziente Methoden der Wassergewinnung tragen zur Verschärfung der
Wasserkrisen bei. So sind Meerwasserentsalzungsanlagen keine Lösung, da sie
zu teuer, störanfällig und nur mit hohem Energiebedarf zu betreiben sind. Die
superreichen Golfstaaten können sich das noch leisten, für die Versorgung eines
großen Teils der Menschheit ist es aber keine Lösung.

Zuständig für das Wasserproblem ist die UNESCO, die jedes Jahr Wasserberichte
veröffentlicht. Demnach sind momentan 1,2 Mrd. Menschen ohne Zugang
zu sauberem Trinkwasser und doppelt so viele haben keine geregelte
Abwasserentsorgung. Ein Drittel der Weltbevölkerung lebt in Ländern, die unter
Wasserknappheit leiden. Die künstlich bewässerten Anbauflächen haben sich seit
1990 weltweit verfünffacht, und 68 % des verfügbaren Süßwassers fließt in die
Landwirtschaft, wovon wiederum 45 % durch undichte Rohrleitungen oder andere
Abflüsse verloren gehen. Bis zum Jahre 2025 wird sich laut einer Prognose der UN
der Wasserbedarf verdoppeln. Dann dürften 40 % der Weltbevölkerung unter
Wasserknappheit oder Wassermangel leiden.

Praktikable Lösungen kann es nur geben, wenn der Wassermangel nicht nur aus
einer geologischen, hydrologischen oder meteorologischen Sichtweise betrachtet
wird. Es müssen institutionelle und ökonomische Defizite beseitigt werden, die
eine gerechte Verteilung und insgesamt eine Effizienzsteigerung beim Zugang
und der Verteilung des Wassers für alle Menschen verhindern. Eines der Hauptübel
ist hierbei die Privatisierung. Dass hierdurch die Wasserversorgung für alle
Menschen garantiert, die Versorgung verbessert und die Kosten reduziert werden,
ist schlichtweg falsch. Der Referent sprach hierbei den Film „Bottled live“ an, der
symtomatisch für die Verlogenheit dieser neoliberalen These ist.
Die Filmdokumentation zeigt auf, dass es aus Gründen der Profitmaximierung
gerade nicht das Ziel des Unternehmens Nestle ist, alle Menschen in Pakistan mit
Wasser versorgen, sondern das reichlich in dem Land vorhandene Trinkwasser
durch Beschlagnahmung der Brunnen für sich zu vereinnahmen und einer kleinen
Oberschicht, die es sich leisten kann, teuer zu verkaufen.

Interessant ist die Tatsache, dass es einige Länder schaffen, trotz widriger Umstände
eine gute Wasserversorgung für die gesamte Bevölkerung herzustellen. Dabei wären
nicht nur sozialistische Länder wie Kuba, Venezuela und Bolivien zu nennen, auch
Staaten wie z.B. Costa Rica haben ihre Aufgaben diesbezüglich erledigt. Australien,
das von immer stärkeren Dürren heimgesucht wird, hat ein 5 Milliarden Dollar
Programm zur landesweiten Sanierung der Rohrleitungen aufgelegt, wohlgemerkt
alles unter staatlicher Kontrolle. Negativbeispiele sind Pakistan, das 50 Mal mehr
Geld für die Rüstung als für die Wasserversorgung der Bevölkerung ausgibt, und
Afghanistan, wo aufgrund exzessiver Korruption das Geld nicht dort ankommt, wo
es sinnvoll verwendet werden könnte.

Zum Abschluss des Vortrages kamen Lösungsansätze zur Sprache, wie man
Wasserkrisen überwinden kann. Es gibt eine Vielzahl von Lösungen, jedoch keinen
Königsweg. Eine Maßnahme wie z.B. der Bau von Stauseen kann in einem Teil
der Welt eine praktikable Lösung sein, an einer anderen Stelle auf der Erde aber
verheerende Auswirkungen haben. Gigantische Wasserspeicher wie der Drei-
Schluchten-Staudamm in China oder vergleichbare Projekte in Brasilien, bei denen
nicht nur die Wasserversorgung, sondern auch die Stromversorgung großer Städte
gesichert werden soll, sind hochproblematisch. Überhaupt nicht hinnehmbar ist
hierbei die Tatsache, dass jeweils an solchen Orten, die dort lebende Bevölkerung
entrechtet oder vertrieben wird bzw. indigene Völker wie z.B. im Regenwald
Brasiliens Opfer massiver Menschenrechtsverletzungen werden.

Weltweit müssen die Anbaupraktiken so geändert werden, dass die Verdunstung
des Wassers auf dem landwirtschaftlich genutzten Boden vermindert wird.
Terrassenanbau und Intervallflutung, eine direkte Wurzelbewässerung oder
Tropfbewässerungstechniken, die Beendigung der Regenwaldabholzung oder der
Anbau neuer Kulturpflanzen, die weniger Wasser verbrauchen, sind nur einige der
Maßnahmen, die unumgänglich sind.

Schnappschüsse von der Internationalen Woche 2012

Zeichen gegen Rassismus

Das Vorbild

und wie es ausprobiert wird

Was kann ich, ohne zu sehen, erfühlen?

aus Holz, oben schmal, geht um die Ecke, ist das …?

Hier spielt die Musik!

gar nicht so leicht!

Alle Menschen brauchen Wasser. Für den Kaffee für eine Tasse braucht man über 100 Liter Wasser.

Eindrücke vom Internationalen Markt am 25.6.2010

Deutsche Kinder lernen Arbeiten von Kindern in Entwicklungsländern kennen.

Wassermangel ist in der Dritten Welt ein großes Problem.

Die Bilder zeigen Kinder und Ausstellungsgegenstände von Ständen des Nord-Süd Forums und der Schillerschule.