Posts Tagged ‘Straßenkinder’

Afrikanische Märchen in der Stadtbücherei

BENSHEIM. „Wenn ich an Afrika denke, bekomme ich eine Gänsehaut.“ Dass der in Fremdsprachen bewanderte Gerd Meuer gerade den „Schwarz“wald im Dreiländereck zu seiner neuen Heimat wählte, kommt wohl nicht von ungefähr.
Die „schwarzen“ Kulturen stehen dem Afrika-Insider und ehemaligen Korrespondenten vielleicht gar näher als sein Geburtsland. Hier lebte er über ein halbes Jahrhundert.
Er kennt Land und Leute und zählt auch die künstlerischen Cliquen und Berühmtheiten wie den nigerianischen Nobelpreisträger Wole Soyinka zu seinen Freunden. Einen Hauch des schwarzen Erdteils vermittelte er am Donnerstag auf Einladung des Nord-Süd-Forums in der Bensheimer Stadtbibliothek. Untermauert mit diversen privaten Erlebnissen las er aus dem Buch „Echt falsche afrikanische Märchen“, die Friedlinde Pacha Beetz schrieb und zu dem er das Vorwort verfasst hatte. Nachdem Gerd Meuer am Nachmittag bereits für Kinder in der Stadtbücherei die Tür einen Spalt zu einer fernen Kultur geöffnet hatte, begrüßten am Abend Gudrun Ehret, Leiterin der Stadtbibliothek und Karl Kerschgens vom Nord-Süd-Forum Bensheim die rund 30 Gäste im afrikanisch dekorierten Veranstaltungssaal.

Im Mittelpunkt der Märchen standen stets die Tiere der Savanne im Dialog – die Giraffe und der Gecko, die Hyäne und der Leopard oder das Zebra und die Erdmännchen bevölkerten die Märchenwelt. In „Das Ende der Welt“ treffen sich der Eis- und der Braunbär, beide auf der Flucht vor der Umweltkatastrophe. Sie docken in Robben Island an, der eine aus dem Norden, der andere aus dem Süden kommend. Sie eint – mit Blick auf den Klimawandel – dieselbe Einsicht: „Das Ende der Welt geht unter.“
In einem anderen Märchen, das eine kulturelle Brücke zwischen Orient und Okzident schlägt, steht ein arbeitsames Kamel im Mittelpunkt, das tagsüber die Lasten der Beduinen durch die Wüste schleppt und nachts laut heulend einem leuchtenden Stern nachtrauert. Niemand kommt mehr zur Ruhe. Eine Lösung bringen die drei Könige aus dem Morgenland, die den Weg zu einem neugeborenen König suchten.
Dass Pacha Beetz, die lediglich den afrikanischen Kontinent aus dem touristischen Blickwinkel kennengelernt hatte, ein Märchenbuch verfasste, hat eine Vorgeschichte in ihrem sozialen Engagement. Sie ist zusammen mit Gerd Meuer mit einem Afrika-Stand auf einem Weihnachtsmarkt im Breisgau vertreten. Angeboten werden Produkte, die im Waisenhaus AMPO in Ouagadougou in Burkina Faso hergestellt werden. Mit der Bitte, mit afrikanischen Märchen einen kulturellen Akzent zu setzen, stieß das Duo an eine Grenze. Dass man nur auf einen mehr oder minder drögen Ausdruck in diesem Genre stieß, führte Meuer auf eine mangelnde Übersetzungskunst zurück. Zumal in Afrika eine geschliffene Kultur des gesprochenen Wortes gepflegt werde. So griff Pacha Beetz selbst zu Papier und Griffel.

Das Interesse der Zuhörer konzentrierte sich nicht nur auf die literarische Fabelwelt, sondern auch auf das Projekt in Burkina Faso – einem Land, dessen Einwohnerzahl sich in den letzten zwanzig Jahren geradewegs verdoppelt hat. Die Spenden sind für Straßenkinder gedacht, die die Schule besuchen und später in den angegliederten Werkstätten nähen und weben, kochen und servieren lernen. moni
© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 28.10.2013

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Originelle Aktion zugunsten von Straßenkindern in Kolumbien

Reinel Garcia, selbst einmal ein Straßenkind, leitet die Kinderrechtsorganisation Creciendo Unidos in Bogotá. Im Oktober 2009 besuchte er eine Realschule in Neusäß bei Augsburg. Von dem Besuch motiviert schlüpften die Kinder ihrerseits kurz in die Rolle von Straßenkinder und putzten Passanten auf der Straße die Schuhe und baten dabei um eine Spende für Creciendo Unidos, die sie über „Brot für die Welt“ dorthin weiterleiteten. Über 1000 Euro kamen zusammen. Eine nachahmenswerte Idee!

Arbeit für Straßenkinder in Kolumbien

Auf der ganzen Welt arbeiten trotz Verbot Kinder und Jugendliche für Geld. In den Industrieländern arbeiten sie eher für Kultur- und Luxusbedürfnisse, in der Dritten Welt geht es meist um ihr Überleben und das Überleben der Familien.
Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) arbeiten weltweit rund 211 Millionen Kinder unter 15 Jahren.
In Kolumbien, wo nach Schätzungen der ILO 2 Millionen Kinder aushäusig leben, wird Kindern durch die Fundación Creciendo Unidos, Bogotá die Möglichkeit geboten, trotz ihrer Arbeit und obwohl sie kein Geld für Schuluniform und Arbeitsmittel (Hefte, Stifte) haben, zur Schule zu gehen und sich für Lehrberufe zu qualifizieren. So gelingt es, Kindern, die erst mit neun oder zehn Jahren erstmals unterrichtet werden, einen Grundschulabschluss zu vermitteln, der auch staatlich anerkannt ist.
Über diese Arbeit berichteten am 8.10.2009 Reinel García, der Direktor der Stiftung, und H. Jochen Schüller von „Brot für die Welt“ in einer Veranstaltung des Hauses am Maiberg, Heppenheim und des Nord-Süd-Forums Bensheim.
Noch schlimmer als Kindern, die für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen, geht es den Kindern, die ohne jede familiäre Bindung auf der Straße leben. Immer wieder werden Straßenkinder von paramilitärischen Gruppen ermordet, die so „Ordnung“ herstellen wollen. Aber manche werden sogar von der regulären Armee in die aufständischen Gebiete geschafft, um sie dort zu töten und dann als besiegte Guerillakämpfer vorweisen zu können.
Die arbeitenden Kinder haben sich inzwischen international organisiert, um zu erreichen, dass nicht sie dafür bestraft werden, dass sie unter oft menschenrechtsunwürdigen Verhältnissen arbeiten müssen, sondern ihre Ausbeuter.
Eine deutschspachige Internetseite ihrer Organisation findet sich unter pronats.de.
Die spanischsprachige Internetseite von Creciendo Unidos hier.