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Zwei gegen Monsanto – Gefahren der Ausbreitung genmanipulierter Pflanzen

Am 12.9.2010 sprach im Bürgerhaus im Auerbacher Kronepark der 79-jährige kanadische Farmer Percy Schmeiser über seine Erfahrungen mit Monsanto und über die Gefahr, die von genmanipulierten Pflanzen auch in Deutschland ausgeht.

Percy Schmeiser erhielt 2007 zusammen mit seiner Frau  Louise den Alternativen Nobelpreis  „für ihren Mut bei der Verteidigung der Biodiversität und der Rechte der Landwirte und dafür, dass sie die Perversität der gegenwärtigen Auslegung der Patent-Gesetzgebung in Bezug auf die Umwelt und die Moral aufzeigen und anprangern“.

Als Gefahren der Grünen Gentechnek stellte Schmeiser u.a. heraus:
Firmen maßen sich an, die Ernte von Bauern, deren Felder verunreinigt worden sind, für sich zu beanspruchen.
Schädliche Veränderungen können auf konventionelle gezüchtete Pflanzen übergreifen, z.B., dass Kartoffeln nsch dem Kochen schwarz werden.
Die künstlichen Gene können nicht nur in Pflanzen derselben Art eindringen, sondern in alle Pflanzen der Familie. D.h. gentechnisch veränderter Raps kann auch Senfpflanzen und Broccoli verändern.
In Kanada sei es inzwischen so, dass alle Raps-, Soja- und Baumwollanpflanzugen mehr oder minder kontaminiert seinen. Beim Mais seien etwa 80% der Pflanzungen betroffen.
Forschungsinstitute probieren öfter heimlich Genveränderungen aus, die gar nicht genehmigt sind. Die können auch allgemein übergreifen. Die Institute müssen also besser kontrolliert werden.
Am Schluss warnte Schmeiser, in Deutschland sei man noch recht ahnungslos. Jetzt aber sei es noch Zeit, sich gegen die Gentechnik zu wehren, wenn man verhindern wolle, dass man das kanadische Schicksal einer allgemeinen Kontamination erleide.
Zu den weiter gehenden Gefahren von Gentechnik für Biodiversität und Landwirtschaft vergleiche auch unseren Artikel vom 24.6.2010 zur Grünen Gentechnik.

Eine ausführliche Darstellung des Konflikts mit weiterführenden Materialien findet sich auf der Homepage von Percy Schmeiser (englisch).

31.5.13:

Monsanto gibt in Europa auf

Aber es steht zu befürchten, dass Monsanto wieder kommt (Kommentar)

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Darf Leben patentiert werden?

Biopiraterie ist ein polemischer Begriff, der sich darauf bezieht, dass sich Konzerne Pflanzen, Tiere und deren Gene patentieren lassen, die in vielen Jahrhunderten oder Jahrtausenden von regionalen Gemeinschaften entdeckt oder gezüchtet worden sind.

So haben sie erreicht, dass Hunderttausende von Kleinbauern daran gehindert wurden, das in ihrer Kultur entwickelte Saatgut weiter zu züchten, und dass sie so in den Ruin getrieben wurden.

Anders als beim Land Grabbing wird bei Biopiraterie freilich keine Gewalt eingesetzt, und der Anfang ist von wissenschaftlicher Forschung gar nicht zu unterscheiden:

Wissenschaftler besuchen bisher unerforschte Gebiete – besonders erfolgreich sind sie wegen seiner Artenvielfalt im Regenwald – und befragen die Einheimischen, zum Teil Menschen, die noch im Steinzeitalter leben, nach ihren traditionellen Heilmitteln. Dann kaufen sie einzelne Exemplare bzw. tauschen sie ein, sie sind ja keine Diebe, und untersuchen sie im Labor auf die enthaltenen Wirkstoffe.

Sie sind doch rechte Helfer der Menschheit, da sie ein Geheimwissen, das früher nur wenigen hundert oder tausend Menschen zur Verfügung stand, der ganzen Menshheit zugute kommen lassen – bzw. dem Teil der Menschheit, der die daraus entwickelten Präparate bezahlen kann.

Dass der Konzern, der diese Arbeit finanziert, daran verdienen will, muss man doch verstehen. Und der Einheimische ist ja bezahlt worden. Nicht wie früher mit Glasperlen, nein mit 50 Dollar oder gar 100 Euro, die der Einheimische erhält, wenn der Konzern seine 50 Millionen oder 2 Milliarden Dollar (oder Euro) Gewinn macht.

Was soll daran falsch sein?

In einzelnen Fällen gibt es freilich Ausnahmen. Das Europäische Patentamt hatte bereits ein Patent auf das Öl des indischen Niembaumes erteilt, das in Indien seit Jahrtausenden als natürliches Pflanzenschutzmittel verwendet wird. Doch dann kam es zu Protesten, bei denen auch Vandana Shiva, Trägerin des Alternativen Nobelpreises von 1993, mitwirkte. Ihre Kritik ist ganz grundsätzlich:

Nachdem der Kolonialismus in seiner ersten Auflage Kontinente erobert und ihre ursprünglichen Bewohner überfallen, ausgebeutet und versklavt habe, wende sich der neue Kolonialismus den Innenräumen der Körper zu. Leben dürfe nicht privatisierbar und patentierbar werden.

Inzwischen ist das Patent aufgehoben und das „geistige Eigentum“ des Konzerns am heiligen Öl der Inder gilt nicht mehr.

Ob der Fall Schule macht? Wenn die Betroffenen keinen Druck aufbauen, wird das Europäische Patentamt sicher weiter den Konzernen solche Patente erteilen. (Zum Fall Basmatireis sieh hier!)

In der Ausstellung „abgeerntet“, die gegenwärtig im Rahmen der Internationalen Woche in Bensheim im Haus am Markt  zu sehen ist, wird aufgezeigt, wie Biopiraterie dabei mitwirkt, die biologische Vielfalt zu zerstören und Millionen von Kleinbauern zum Hunger zu verdammen. Dort ist auch das Infoblatt Biopiraterie erhältlich, das diesem Blogbeitrag u.a. zugrunde liegt.

Literaturhinweis:

Michael Frein, Hartmut Meyer: Die Biopiraten. Milliardengeschäfte der Pharmaindustrie mit dem Bauplan der Natur. Berlin 2008, ISBN 978-3-430-30022-3

Links:

Kampagne gegen Biopiraterie

Kein Patent auf Leben

Patente auf Algorithmen und Leben (Seite des Netzwerks Freies Wissen)