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Klimagipfel, Darfurkonflikt, Klimakriege

Beim Klimagipfel in Kopenhagen geht es nicht nur darum, ob – erstmals seit 17 Jahren Verhandlungen – ein weltweites Abkommen zum Klimaschutz zustande kommt. Es geht nicht nur um das Überleben von kleinen Inselstaaten. Es geht darum, dass nicht weltweit Kriege um Land und Wasser geführt werden, weil durch den Klimawandel der Lebensraum von vielen Millionen im Meer verschwunden ist (z.B. Bangladesch) oder ganze Staaten (z.B. in der Sahelzone) unbewohnbar werden.
Was das bedeuten kann, ist im Darfur-Konflikt im Sudan schon vorgezeichnet. Dort vertreiben Nomaden, denen das Wasser für ihre Herden ausgeht, Bauern, indem sie deren Lebensgrundlage zerstören. (Kriege tragen immer wieder wesentlich zur Umweltzerstörung bei.) Seit Jahren weist das Nord-Süd-Forum auf diesen ungelösten Konflikt hin.
Doch diese Auseinandersetzungen sind nur schwache Vorboten dessen, was uns bevorsteht: Viele Millionen werden ihre Heimat aufgeben müssen, und sie werden zu uns kommen, so lange deutlich ist, dass bei uns die Überlebenschancen deutlich besser sind. Diesem Ansturm wird das Grenzregime der EU mit Patrouillenbooten der Frontex und Gefängnisstrafen für Kapitäne, die Menschen aus Seenot retten, nicht mehr gewachsen sein. Werden wir dann Krieg um unseren Lebensraum führen?

Deshalb muss alternative Energie dort und hier eingesetzt werden, bevor in der Sahelzone der letzte Baum für Feuerholz verbrannt ist und Millionen von Quadratkilometern verwüstet sind.
Deshalb ist es in unserem Interesse, dass die EU jetzt die Umstellungen finanziert, für die es in 5 Jahren zu spät sein dürfte.

Die Chance von Kopenhagen ist nicht genutzt worden. Doch das gibt uns kein Recht auf Resignation.

Die Türen sind zwar nur einen Spalt breit geöffnet. Aber der Weg zur weiteren Arbeit ist offen.

Die Wirtschaftskrise führte zu weniger CO2-Ausstoß. Es wäre ernsthaft zu prüfen, ob man nicht aus der Krise lernen könnte, wie man diese positiven Folgen erreichen kann, ohne alle negativen in Kauf nehmen zu müssen.

Konflikt im Südsudan ein Vorbote der Zunahme von Klimakonflikten?

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Demonstrationen zum Klimagipfel

12.12.2009

In Kopenhagen, in Bensheim und   in aller Welt wurde demonstriert. Denn überall auf der Welt wollen Menschen sich nicht damit zufrieden geben, wenn ein unwirksames Scheinabkommen zustande kommen sollte.

In Bensheim wurden in einer Veranstaltung des Nord-Süd-Forums Bensheim zwei Texte vorgetragen. Zum einen ein Text, wie er von der internationalen Organisation Avaaz („Stimme“) vorgeschlagen worden war, die weltweit über 3000 Demonstrationen angeregt hatte, zum anderen ein Text, der im Forum erarbeitet worden war und auch als Flugblatt verteilt wurde.

Die Welt will ein echtes Abkommen

Internationale Erklärung

Heute versammeln wir uns hier – zusammen mit anderen Gruppen weltweit – um zusammenzustehen und unseren Planeten zu retten.

Die fragile Balance der Erde, die uns immer erhalten hat, verändert sich. Wir verändern sie.

Wir verursachen eine Erwärmung, die zu weiterer Erwärmung führt. Die Polkappen schmelzen, die Regenwälder sterben, und diese Spirale kann sich so schnell weiterdrehen, dass sie in nur fünf Jahren außer Kontrolle gerät.

Der Klimawandel scheint weit weg – doch er steht unmittelbar bevor. Viele von uns haben bislang geschlummert. Doch für andere ist der Klimawandel bereits greifbare Verwüstung.

Es ist das schwindende Leuchten in den Augen eines Kindes, wenn vorrückende Wüsten Ackerland zu Staub verwandeln und eine Familie verhungert.

Es ist ein Heim, eine Existenzgrundlage, es sind die Erinnerungen eines ganzen Lebens, weggespült von stetig steigenden Fluten und verheerenden Stürmen.

Es ist der tödliche Kampf von benachbarten Stämmen, das verzweifelte Ringen um die letzten noch existierenden Wasserlöcher.

Es ist eine ganze stolze Inselnation, die flieht, weil ihr Wasser vom Meer vergiftet ist, weil ihr Land in den Wellen versinkt.

Und es sind die Spannungen, wenn Tausende von Flüchtlingen von ihrem zerstörten Land in die Städte der ärmsten Länder drängen.

Doch das ist nur der bittere Vorgeschmack eines sich zusammenbrauenden Sturms. Das ist die Zukunft, die uns alle bedroht – niemand entrinnt dieser Verwüstung, weder Arm noch Reich, weder Nord noch Süd.

Aber wir können uns noch retten, wenn die Energien ändern, die unsere Gesellschaften am Laufen halten. Wir können aufhören, Öl, Kohle und Holz zu verbrennen. Wir können stattdessen die Energie der Sonne, des Windes und des Wassers nutzen. Aber wir müssen es alle zusammen tun. Und wir müssen es jetzt tun.

Die Entscheidungen, die wir heute treffen, entscheiden die Zukunft der Menschheit.

Daher haben wir uns heute versammelt, zu 2.000 Events in 130 Ländern, überall auf der Welt: Um die Welt mit einem Ruf zum Handeln zu erhellen, als Signal der Hoffnung.

Wir rufen unsere Politiker dringend zum Handeln auf fordern ein echtes Abkommen.

Ein echtes Abkommen muss ambitioniert sein. Wir fordern eine Vereinbarung, die das Anwachsen des gefährlichen Kohlenstoffausstoßes innerhalb von fünf Jahren stoppt und ihn stattdessen schnell auf einen sicheren Grad von 350 Teilen pro Million in der Atmosphäre reduziert.

Ein echtes Abkommen muss fair sein. Wir fordern eine Vereinbarung, die $200 Milliarden pro Jahr garantiert, um den armen Ländern zu helfen, die Krise zu bekämpfen, die sie nicht selbst verursacht haben.

Ein echtes Abkommen muss verbindlich sein. Wir werden keine leeren Versprechungen zulassen. Wir fordern eine Vereinbarung, die den Schutz unseres Planeten in allen Ländern zum Gesetz macht.

Dies ist das wichtigste Abkommen unserer Zeit. Jedes Land muss Teil der Lösung werden. Weniger werden wir nicht akzeptieren.

Heute versammeln wir uns als Bürger der Welt mit einer gemeinsamen Absicht – und einem gemeinsamen Schicksal. Dies ist eine Chance, unseren Kindern und Enkelkindern eine Welt zu hinterlassen, auf die wir stolz sein können.

Die Stunde vor der Dämmerung ist die dunkelste. Unsere Bewegung ist wach, der Moment gehört uns, die Zukunft liegt in unseren Händen und die Botschaft ist eindeutig:

Die Welt will ein echtes Abkommen!

Die Welt braucht Klimaschutz

und ein verbindliches Abkommen

Flugblatt des Nord-Süd-Forums Bensheim

Gegenwärtig hungern über 980 Millionen Menschen auf der Welt. Jährlich sterben über 10 Millionen Menschen im Jahr an Hunger.

Das Leid wird unabsehbar zunehmen, wenn es nicht gelingt, die Erwärmung der Atmosphäre auf 2 Grad Celsius zu begrenzen und die CO2-Emissionen in den Industriestaaten bis 2020 um 40 Prozent zu senken. Denn dann wird die Klimaentwicklung chaotisch werden.  ).

Unabhängig davon, ob der gegenwärtige Klimawandel hauptsächlich menschengemacht ist oder nicht.

Deshalb ist es so wichtig, dass der Klimagipfel in Kopenhagen ein Erfolg wird und dass nicht nationale Interessen ein ehrgeiziges, gerechtes und verbindliches Abkommen gefährden.

Ohne Wasser, ohne Nahrung kann kein Mensch überleben, und doch wird mit wirtschaftlichen „Notwendigkeiten“ argumentiert, die weit weniger gravierend sind, die aber angeblich ein konsequent neues Handeln unmöglich machten.
Das Problem liegt in unseren Gewohnheiten: Denkgewohnheiten, aber auch jahrzehntelang eingeschliffenen Lebensgewohnheiten, von denen wir nicht lassen wollen und sollte es das Leben unserer Kinder und Kindeskinder kosten.

Wir alle müssen in unserem eigenen Interesse uns selbst strengere Verpflichtungen auferlegen, als die internationalen Abmachungen fordern werden. Das gilt für unsere Nationen, für unsere Kommunen, für die Haushalte und für jeden Einzelnen.

Deshalb kommen wir hier zu einer Mahnwache zusammen, um die Bevölkerung darauf aufmerksam zu machen, dass in Kopenhagen über ihre Zukunft entschieden wird und den Politikern zu demonstrieren, dass wir ein Scheitern der Konferenz nicht gleichgültig hinnehmen werden. $200 Milliarden jährlich braucht es, um den armen Ländern die nötigen Umstellungen zu ermöglichen. Da sind 5 oder 7 Mrd. € kein ernsthaftes Angebot.

Gegenwärtig wissen wir von über 2 700 Demonstrationen weltweit, die im selben Sinne unternommen werden. Der Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu hat es übernommen, die Botschaft dieser Kampagne in Kopenhagen vorzutragen und zu vertreten.

Links zum Thema:

Merkel warnt vor Panikmache beim Klimaschutz

Folgen des Klimawandels in Deutschland

Ergebnis des Gipfels eine Enttäuschung