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Hungerkatastrophe in Ostafrika

Meist wird die Hungerkatastrophe in Ostafrika als Folge von langjähriger Dürre und Versagen der Regierungen oder Potentaten in den betroffenen Ländern dargestellt. Wichtige Ursachen werden oft vergessen bzw. sind in der Öffentlichkeit nicht präsent.
Dazu gehören der Landverkauf an auswärtige Investoren, fehlende angepasste Landwirtschaft, die Verknappung von Nahrungsmitteln durch deren Einsatz als Viehfutter oder durch Produktion von Agrosprit, das Wegwerfen von Produkten (deutsche Haushalte im Durchschnitt 10 Prozent), durch Börsenhandel.
Als Nothilfe wird um Spenden geworben, der Anteil der Industrieländer an den Hungersnöten wird kaum erwähnt.
Deshalb werden auch die möglichen längerfristigen Gegenmaßnahmen nicht erwähnt:
Sorgsame Vorratshaltung, saisonal-regional-ökologisch einkaufen in kleinen Geschäften, keine Gentechnik, weniger Fleisch, fairer Handel, Fisch mit MSC-Siegel, kein Agrosprit, Projekte der nachhaltigen Landnutzung mit Spenden oder Krediten unterstützen.

 

vgl. dazu Rechte statt Mitleid für Ostafrika – Afrikanische und europäische Schriftsteller für solidarisches Handeln und strukturelle Veränderungen

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Biosprit macht Hunger

Es gibt manche Möglichkeiten, aus Biomasse Energie zu gewinnen.
Die bekannteste ist natürlich das Verbrennen von Holz, außerdem war lange die Produktion von Holzkohle die Voraussetzung für die Gewinnung von Metall aus Erzen. Ebenfalls seit Jahrtausenden wird der Kot von Tieren als Brennmaterial verwendet, besonders von Nomaden, die ihn nicht als Dünger verwenden können. Aber auch in holzarmen Gegenden wird er so eingesetzt, z.B. recht häufig in Indien. Zwar geht damit natürlicher Dünger verloren, wenn aber dadurch vermieden wird, dass die letzten Pflanzen ausgerottet werden, wird es trotzdem sinnvoll sein.
In letzter Zeit wird die Produktion von Biogas propagiert. So können landwirtschaftliche Abfälle und Wildpflanzen zur Energiegewinnung eingesetzt werden.
Umweltschützer waren von solch nachhaltiger Energieproduktion so fasziniert, dass sie sich auch eine Möglichkeit, damit in größerem Umfang Erdöl einzusparen versprachen. Denn wenn man pflanzliche Rohstoffe als Ausgangsstoff für die Herstellung von Kraftstoff einsetzte, dann gelänge es, fossile Rohstoffe, deren Erneuerung Jahrmillionen braucht, durch nachwachsende Rohstoffe zu ersetzen.
Alkohol, umweltfreundlicher Bioethanol genannt, lässt sich aus stärkehaltigen Pflanzen wie Mais, Weizen und Zuckerrohr gewinnen, Biodiesel aus ölhaltigen Pflanzen wie Soja, Raps und Ölpalmen. Solche umweltfreundlichen Produkte wurden auch sogleich subventioniert, so dass z.B. in Brasilen Alkohol schon zum vorherrschenden Kraftstoff geworden ist.
Was man in der ersten Begeisterung nicht genügend beachtet hatte, war, dass es hier nicht mehr um landwirtschaftlichen Abfall ging, sondern um hochwertige Nahrungsmittel, die so der Lebensmittelproduktion entzogen wurden. In der EU mit ihrer landwirtschaftlichen Überproduktion mochte das Sinn haben, doch ganz gewiss nicht in Brasilien, wenn dafür Regenwald gerodet wurde, um angeblich nachhaltigen Treibstoff zu produzieren. (In Brasilien nimmt die Anbaufläche für Agrarkraftstoffe inzwischen eine Fläche dreimal so groß wie Deutschland ein.)
Dass inzwischen so viel Anbaufläche für Agrarkraftstoffe verbraucht wird, hat erheblich zur Steigerung der Lebensmittelkosten beigetragen. (Je nach Land wird der Anteil der Steigerung der Lebensmittelpreise seit 2005, der auf reduzierte Anbauflächen zurückgeht, auf 30% bis 70% geschätzt.) Dabei liegt das Einsparpotential von Agrarkraftstoffen gegenüber Erdöl nur bei 10 – 30 Prozent. Effektiver wäre es, Einsparmöglichkeiten über Beendigung der Subventionierung des Flugverkehrs, über Kraftfahrzeuge mit geringerem Verbrauch und durch Einsatz von Solarstrom zu unterstützen.
Der brasilianische Theologe Frei Betto kritisiert diese Politik daher sehr energisch: „Angesichts des Hungers in der Welt ist die Produktion von Agrosprit unverantwortlich und unmenschlich.“

Ausstellung in Bensheim:

Mehr dazu erfährt man in der Ausstellung „abgeerntet“ Wer ernährt die Welt? im Haus am Markt, noch bis zum 2.7. geöffnet von 16-18:00 Uhr.

Literatur:
Caritas International (Hrsg.): Volle Tanks – leere Teller – Der Preis für Agrarkraftstoffe: Hunger, Vertreibung, Umweltzerstörung, Lambertus 2007

Link:
http://www.biofuelwatch.org.uk/

Ein (kleines) Handlungsangebot:
Dies  Flugblatt zur Weitergabe an Tankstellenpächter kann man auch bei  Regenwald.org herunterladen.

Ausstellung „abgeerntet“ im Haus am Markt

Die Ausstellung findet im Haus am Markt, Am Marktplatz 1, in der Galerie unterhalb der St. Georgskirche statt und ist bis zum 2.7. montags -freitags von 16 bis 18 Uhr, samstags/sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Unter den Kirchtürmen von St. Georg steht eine Frau. Nicht die Fraa vun Bensem, sondern eine Kleinbäurin, die sich fairen Handel wünscht. Nur fairer Handel ist für die  Bauern sozialverträglich.(Die Bilder werden durch Anklicken vergrößert.)

Diese Waren aus dem Welt-Laden Sankt Georg Am Marktplatz 10, Tel. 06251-66730 – Öffnungszeiten: Do 15:30-17:30;  Fr 10:00-12:00 Uhr, Sa, So sind fair gehandelt.

(in den Ferien nur Sa/So geöffnet)

Ist Deutschland zukunftsfähig?

Am Donnerstag, 19.03.2009, um 20 Uhr ging es im Haus am Markt Bensheim um diese Frage.

Klimawandel, Hungerkrise, Rohstoffknappheit und Naturzerstörung stehen auf der internationalen Tagesordnung. Dennoch geht in der Politik, in der Wirtschaft und im Alltag vieles weiter wie bisher: Für Flughäfen werden neue Start- und Landebahnen geplant, neue Kohlekraftwerke sollen gebaut werden und Heizpilze sprießen aus dem Boden. Im Zweifelsfalle sind der Politik die Ankurbelung der Nachfrage und die Interessen der Autoindustrie wichtiger als der Klimaschutz. Und selbstverständlich sollen Lebensmittel, T-Shirts und Turnschuhe wenig kosten.
Hier kann man eine Broschüre herunterladen, die über die Studie „Zukunftsfähiges Deutschland“ informiert.

Der Vortrag konzentrierte sich besonders auf den Teil des Buches, der sich mit dem Welthandel beschäftigt.

Ein gerechter Welthandel ist einer der Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung. Handel eröffnet Chancen für Entwicklung und Armutsbekämpfung – oder aber er verwehrt sie. Ein Beispiel ist der Export von künstlich verbilligten Hähnchen aus der EU nach Afrika.

vgl. auch Evangelischer Entwicklungsdienst zu Welthandel