Posts Tagged ‘Banken’

Fragwürdige Aktivitäten von Banken

  1. Zur Rolle öffentlicher Banken
    In der Öffentlichkeit ist wenig bekannt, was öffentliche Banken mit öffentlichem Geld alles fördern. Die Europäische Bank für Wiederaufbau, die Europäische Investitionsbank, die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau geben Kredite für Kohlekraftwerke, Verlängerung der Laufzeiten von AKW, von Großstaudämmen oder sogar an den Schweizer Rohstoffgiganten Glencore. Deutschland besitzt relevante Stimmrechte in diesen Finanzinstituten und könnte ihre offizielle Klima- und Energiepolitik dort einfordern. (Info-Blatt bei www.urgewald.de oder taz-Beilage vom 28.08.2013)

  2. Investitionen deutscher Banken in Atomwaffenhersteller
    Im internationalen Vergleich nimmt Deutschland nach den USA, GB und Frankreich den vierten Platz bei der Finanzierung von Atomwaffenherstellern ein. Alle deutsche Großbanken plus Allianz investieren in Unternehmen, die Atomsprengköpfe sowie Atomwaffen-Trägersysteme entwickeln, produzieren oder warten.
    Die deutsche Zusammenfassung der Studie findet man unter
    www.dontbankthebomb.com/wp-content/uploads/2013/10/Germany

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Wie man mit gutem Gewissen Geld anlegt

Einen Überblick über ethische Banken und Ökofonds bietet die Stiftung Warentest.

NORD-SÜD-FORUM: Vortrag über ethisch vertretbare Fonds und Investitionsmodelle / Nicht nur die Gewinnmarge im Blick

(Bericht des Bergsträßer Anzeigers)

BENSHEIM. Am Dienstag war Welternährungstag – weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. Dabei leiden weltweit eine Milliarde Menschen an Hunger. Karl Kerschgens vom Nord-Süd-Forum entrüstete sich über eine unverantwortliche Politik, die der großindustriellen Agrarwirtschaft in den Entwicklungsländern die Tore nach wie vor weit offenhalte.

Es reiche sogar soweit, dass mit Grundnahrungsmitteln an der Börse spekuliert wird. Er betonte, dass eine Opposition des Einzelnen durchaus wirksam eingesetzt werden könnte. Zum Beispiel über die Anlage des privaten Geldes. Im Rahmen der Demografie-Woche rückte er am Mittwoch in der Stadtbibliothek die Möglichkeiten eines ethisch verantwortlichen Investments in den Fokus.
Kerschgens will niemanden aus einer persönlichen Verantwortung für seine Finanzen entlassen. Wer Fonds kauft, müsse wissen, in welche Geschäfte mit seinem Geld investiert wird. Das Interesse der meisten Banken richte sich an den Renditen aus. Die Gewinnspanne diene als einziger Maßstab des Erfolgs. „Geld regiert die Welt“ heißt es lapidar im Volksmund. „Aber wer regiert das Geld?“, fragen Kritiker. Sie ergründen die wirtschaftlichen Machenschaften, die den Menschen auf der anderen Seite der Erdkugel die kleine Existenzgrundlage nach wie vor nehmen.
Bauern werden vertrieben
Kerschgens sprach billige Landkäufe von den weltführenden Konzernen in einem unvorstellbaren Umfang an – es handele sich um Areale so groß wie Westeuropa. Die Bauern dort werden vertrieben. Doch sie sicherten bis dato mit ihren wenn auch spärlichen Erträgen das Überleben in der Dorfgemeinschaft. Unzählige Beispiele ließen sich in Afrika, Asien und Südamerika finden. Die großen Geldinstitute würden nicht nach dem ethischen Gebot, sondern allenfalls nach der legalen Grenze handeln. Dass ein kritischer Fondsinhaber durchaus die Institute zu einem Rückzieher an einer Beteiligung an ethisch zweifelhaften Geschäften bewegen konnte, zeige Kerschgens zufolge durchaus die Macht des Bankkunden.
Initiative junger Eltern
Einige wenige Sparkassen stellen sich der ethischen Frage wie die GLS-Bank in Frankfurt, Ethik-Bank, die Bank für Orden und Mission, die Umwelt-Bank, die Steyler-Bank oder die niederländische Triodos Bank. „Wir müssen über einen anderen Umgang mit Geld nachdenken“, findet Josef Schnitzbauer von der GLS-Bank Frankfurt, die 1974 aus einer Initiative von jungen Eltern erwachsen ist.
Sie wollten ihrem Nachwuchs eine andere pädagogische Bildung bieten und eine Waldorfschule eröffnen. Kreditgeber fanden sie keine. Sie gründeten ihre eigene Kreditanstalt und schufen sich damit die Finanzierungsmöglichkeiten. Das Institut arbeitet nach den üblichen Prinzipien einer Genossenschaftsbank.
Sozial gerecht und ökologisch
Jeder Anleger hat unabhängig von seinem Vermögen eine Stimme. Die „GLS-Gemeinschaftsbank Leihen und Schenken“ bietet auch die üblichen Formen der Geldanlage an – vom herkömmlichen Sparbuch bis hin zu Investment-Fonds. Der wesentliche Unterschied liegt in der Entscheidung, wem ein Kredit gewährt wird. Der Dienstleister leiht Gelder ausschließlich zur Finanzierung von Projekten, die im örtlichen Umkreis liegen sowie als sozial gerecht und ökologisch zukunftsweisend erachtet werden.
Das betrifft den Bau von Schulen und Pflegeheime und die Erweiterung eines Bio-Hofes ebenso wie einen Windpark in Mittelhessen. In der Mitgliedszeitschrift wie auch im Internet können die Kunden die Finanzierungen nachvollziehen. „Der Anleger ist in der Verantwortung, was mit seinem Geld passiert“, unterstrich Josef Schnitzbauer.
An die nächste Generation denken
Er appellierte an den Fondsinhaber wie auch an den kleinen Sparer, die Auswirkungen von Kreditgeschäften seiner Bank auf die Gesellschaft und die nachfolgende Generation zu bedenken. Die GLS habe in den letzten fünf Jahren einen enormen Zuwachs verzeichnen können. Die Bankgeschäfte und die Zahl der Kunden hätten sich verdoppelt.
Das Personal ist nicht nur versiert im Umgang mit Zahlen und entscheidet über die Kreditvergabe nicht nur anhand einer zu erwartenden Gewinnmarge, sondern hat stets das zu finanzierende Projekt im Visier. „Es ist die Macht des Verbrauchers, zu skandalisieren“, erklärte der Bankfachmann.
Er erinnerte an den Bau eines Staudamms in Brasilien, der bar jeder Umweltverträglichkeit bei Geldanlegern auf heftige Kritik stieß. Einige Versicherungen hätten sich daraufhin als Geldgeber zurückgezogen. moni
© Bergsträßer Anzeiger, Donnerstag, 18.10.2012

Einen Überblick über ethische Banken und Ökofonds bietet die Stiftung Warentest.
Eine Studie zur Akzeptanz von social banking findet man hier.