Was bedeutet Divestment?

Große Investoren wie Stiftungen, Städte, Universitäten und Pensionsfonds sollen Aktien und Anleihen aus ihren Portfolios verbannen, die ihr Geld mit fossilen Brennstoffen verdienen. Die Fossil Free-Bewegung hat besonders die Kohleindustrie im Blick.
Vorreiter sind z.B. der Norwegische Pensionsfonds, die Rockefeller-Stiftung, die Stanford University, San Francisco, Stadt Münster, die Allianz-Versicherung , die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, insgesamt mehr als 400 institutionelle Anleger.
Deutsche Bank und Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW) sind weiterhin im Kohlegeschäft engagiert. Zu fragen wäre auch, wo die Stadt Bensheim und der Kreis Bergstraße ihr Rücklagen angelegt haben.

Zum Nachlesen: 

http://gofossilfree.org/de/was-ist-divestment

Wikipedia: Divestment

 

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„Die Piroge“

Der Film „Die Piroge“ von Moussa Touré, mit Laïty Fall und Malaminé ‚Yalenguen‘ Dramé wurde am 10.12.15  gezeigt.

In Die Piroge riskiert eine Gruppe afrikanischer Männer den Tod – um leben zu dürfen.

In einer Küstenstadt Senegals packen eine handvoll Männer ihr Hab und Gut in Fischerboote. Unter der führenden Hand von Baye Laye (Souleymane Seye Ndiaye) treten sie eine Reise an, die die die Männer möglicherweise niemals beenden werden. Doch noch schlimmer wäre die Zukunft, die sie zu erwarten hätten, wenn sie blieben, wo sie sind. Im Wissen, dass bereits Tausende vor ihnen dieses Vorhaben das Leben gekostet hat, stechen die Männer in See und fahren in Richtung des angepriesenen Paradieses Europa. Schon bald macht der Kampf mit den Elementen den Männern schwer zu schaffen. Schlimmer allerdings sind die rauen Winde an Bord der Fischerboote selbst…

Hintergrund und Infos zu Die Piroge
Moussa Touré inszenierte sein Drama Die Piroge (La pirogue) mit fast dokumentarischem Gestus. In seiner Geschichte finden sich die Schicksale vieler flüchtiger Afrikaner wieder, die die Risiken eines solchen Unterfangens tatsächlich auf sich nehmen, um von Afrika nach Europa zu fliehen – in den meisten Fällen mit tödlichem Ausgang. Die Pirogue beruht auf Abasse Ndiones Roman Mbëkë mi. A l’assaut des vagues de l‘ Atlantique.

Die 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung

Am 25. September 2015 haben die Staats- und Regierungschefs auf dem UN-Gipfel in New York die „2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung“ verabschiedet. Damit wollen sie bis zum Jahr 2030 globale Herausforderungen wie Hunger und Armut, soziale Ungleichheit, übermäßigen Ressourcenverbrauch und den fortschreitenden Klimawandel bewältigen.

„Wir verpflichten uns, auf dieser großen gemeinsamen Reise, die wir heute antreten, niemanden zurückzulassen.“ So lautet eine zentrale Zusage. In dem Dokument unter dem Titel „Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ http://www.un.org/depts/german/gv-70/a70-l1.pdf verpflichten sich alle Nationen, unsere Welt in den nächsten eineinhalb Jahrzehnten grundlegend zum Positiven zu verändern (mehr…)

Kernelement der 2030-Agenda sind 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDG), die den Staaten in den kommenden 15 Jahren als Handlungsrahmen für die Gestaltung nachhaltiger Entwicklung weltweit dienen werden. Die 17 Ziele der Agenda sollen dazu beitragen, allen Menschen weltweit ein Leben in Würde zu ermöglichen. (mehr…)

Elemente einer neuen Weltwährungsordnung

Walter Tydecks gab einen Einblick in neue Entwicklungen in der globalen Finanzarchitektur, die bislang dominiert wird von den USA, Westeuropa, Kanada, Japan, d.h. den G 7 mit den Finanzinstitutionen IWF und Weltbank.

BRICS-Staaten bauen neue Strukturen mit der AIIB, der New Development Bank und dem Zahlungssystem CIPS auf.

Die AIIB wurde seit 2013 vorbereitet und 2014 gegründet. Asiatische Infrastrukturinvestmentbank, von China dominiert. Die Gründungsurkunde wurde am 29.6.2015 unterzeichnet, von den großen Staaten fehlen nur USA und Japan.

„Ein ‚Debakel‘ für die Amerikaner nennt der amerikanische Thinktank Council on Foreign Relations den Beitritt der Europäer gegen den massiven Widerstand Washingtons.“ (FAZ vom 17.3.2015). Auch Australien und Südkorea schlossen sich entgegen Kritik aus US an.“

Alternative zu SWIFT: CIPS (China International Payments System)
SWIFT wurde 1973 gegründet, sitzt in Belgien mit Rechenzentrum in der Schweiz, und wird über den Aufsichtsrat durch die Notenbankchefs der westlichen Industrieländer geführt. Seit 2001 werden vertrauliche Daten an die USA übermittelt.

Staatsinsolvenz-Verfahren

Seit einer UNCTAD-Konferenz am 1.2.2013 in Genf arbeiten die G77 und China an einem Verfahren für Staatsschuldenkrisen (Entschuldungsverfahren). Am 11.9.2015 wurden in der UNO mit 136 : 6 Stimmen (US, Kanada, UK, Deutschland, Japan, Israel) und 41 Enthaltungen Prinzipien vereinbart. Diese Version ist sehr gemäßigt und enthält keinen verbindlichen Rechtsrahmen.

Weitere wichtige Punkte sind: Steueroasen, Steueroptimierung der transnationalen Konzerne, Geldschwemme, Überschuldung

Island – der andere Weg aus der Finanzkrise

Walter Tydecks befasste sich in seinem Einleitungsreferat mit der Vorgeschichte der Finanzkrise, dem wirtschafts- und finanzpolitischen Umfeld Islands zwischen den USA und der EU, dem Schuldenberg des privaten Sektors und den Maßnahmen, die zur Überwindung der Krise ergriffen wurden.

In der Diskussion wurde immer wieder Unähnliches zur Situation Griechenlands festgestellt. Zur Lösung der gegenwärtigen Krise kann man es nicht als Modell heranziehen, Teilmaßnahmen sind jedoch überlegenswert.

Sieh dazu auch den Wikipediaartikel Islands Finanzkrise 2008 – 2011 (ca. 8 700 Wörter und 204 Anmerkungen)

Der Wasserhaushalt der Erde

Das Bensheimer Nord-Süd-Forum hat die Vortragsreihe zu den Themen Wasserknappheit, Dürre und Desertifikation in seiner letzten Sitzung fortgesetzt. Ulrich Grom, der sich seit mehreren Jahren mit diesem Themenfeldern beschäftigt und selbst Mitglied im Nord-Süd-Forum ist, referierte über den Wasserhaushalt der Erde.

Bevor die naturwissenschaftlichen Aspekte des Wasserhaushalts zur Sprache kamen, wurden grundsätzliche Dinge und Fakten zur Wasserknappheit in vielen Gebieten der Erde angesprochen. Die Diskrepanz zwischen dem Leid und der Not von Menschen, die in wasserknappen und von Dürre gezeichneten Gebieten leben und auf der anderen Seite den Annehmlichkeiten und Luxus durch ein Überfluss an Wasser, den Menschen besitzen, weil sie in wasserreichen Gebieten wohnen, ist unvorstellbar. 1,3 Mrd. Menschen sind faktisch von einer Wasserversorgung abgeschnitten, davon 800 Millionen vollständig. Letztere haben dauerhaft kein nutzbares Trinkwasser und leben nur von Schmutzwasser an dem sie unwillkürlich erkranken oder versterben.

Noch immer sterben 30.000 Kinder pro Tag aufgrund fehlendem oder verschmutztem Wasser.

Der Begriff Wasserhaushalt findet u.a. auch Verwendung in der Biologie. In den Geowissenschaften bedeutet er die Untersuchung der Aufnahme und Abgabe von Wasser in einem geografischen Gebiet z.B. in Ozeanen oder in einer Landschaft. Im Bereich der Landschaft wird dabei das Oberflächenwasser, die Verdunstung, der Niederschlag und die Ströme des Grundwassers berücksichtigt. Der Wasserhaushalt bestimmt somit maßgeblich die Ökosysteme, die sich in einer Landschaft bilden können und letztendlich zur Verfügung stehen. Den einen klassischen Wasser- haushalt der Erde gibt es praktisch nicht, da viele voneinander getrennte Haushalte existieren, wie die der verschiedenen Meere, den Seen und Oberflächengewässer oder den unterirdischen Wasserspeichern. Unterschieden wird ebenso in die chemischen oder biologischen Wasserhaushalte.

Ungeachtet von den Medien und breiter Öffentlichkeit ist dieses Thema in den vergangenen Jahren verstärkt in den Fokus der Wissenschaft gerückt. Zwei Faktoren sind hierfür ausschlaggebend nämlich der Klimawandel und das Auftreten von vermehrter Wasserknappheit und Dürren, sowie dem Auffinden von sog. Wasserplaneten in anderen Sonnensystemen, durch eine immer bessere Technik in der Astronomie. Alle seither gefundenen Planeten sind entweder komplett mit Eis bedeckt unter dem sich tausende Kilometer tiefe Ozeane befinden oder andere Faktoren wie Druckverhältnisse, Oberflächentemperatur und insbesondere ein starkes Magnetfeld, das die Erde vor den Sonnenwinden schützt, fehlen gänzlich. Ohne diesen Schutz würden die Ozeane quasi in den Weltraum verdunsten. Unzählige Faktoren müssen gegeben sein, damit sich ein Wasserhaushalt in der Form, wie er sich auf der Erde existiert, bilden konnte und somit höheres Leben erst möglich macht.

Im Anschluss verdeutlichte der Referent anhand einer Reihe von Zahlen den Umfang des Wasserhaushalts der Erde. Diese Zahlen und einen Kurzinhalt des Vortrages wird das Nord-Süd-Forum in Kürze auf seiner Internetseite, die unter nordsuedforumbensheim.wordpress.com abrufbar ist, veröffentlichen.

Von den 1.342 Milliarden Kubikkilometer Wasser sind lediglich 2,6 % Süßwasser. Von diesem Süßwasseranteil verteilen sich 68,9 % auf die Polkappen und Gletscher, knapp 30 % ist im Grundwasser und 0,9 % befindet sich in der Bodenfeuchte und nur 0,3 % des Wassers ist in leicht zugänglichen Oberflächengewässern wie Seen und Flüssen.

Interessant ist der Vergleich der Verdunstungs- und Niederschlagsmenge, auf dem Areal der Meere und der auf der Landmasse. Von der Gesamtsumme des Verdunstungswassers über den Ozeanen mit jährlich 502.000 Kubikkilometern, fallen 44.800 Km3 nicht mehr zurück in die Meere sondern regnen auf der Landfläche ab. Theoretisch stünde dieses Wasser ständig als regenerative Wassermenge zur Verfügung, jedoch gibt es eine Vielzahl von Problemen, die diesen Vorteil wieder zunichte machen oder minimieren. So regnet das Wasser in den meisten Gebieten zu schnell in kurzen Flutperioden ab, kann nicht gespeichert werden und geht der Landwirtschaft verloren. Rechnet man diesen Faktor heraus und betrachtet die Wassermenge, die jährlich nicht auf der Gesamtfläche der Erde durch einen Abfluss in Seen und Flüsse verloren geht, dann kommt man, je mach Messverfahren, auf einen Wert zwischen 12.500 und 16.000 Km3. Dieser als base-flow-runoff bezeichnete Wert ist die Wassermasse, die ohne künstliche Regulation dauerhaft vermehrt zur Verfügung steht. Sie ist, gemessen an dem benötigten Wasser für die Nahrungsmittelproduktion und allgemeiner Wasserversorgung der Menschheit, verschwindend gering. Hinzu kommt, das Problem, dass das Aufkommen von Niederschlägen nicht mit der Siedlungsstruktur der Menschen korreliert. Ausgehend davon, dass im Jahre 2025 ca. 8 Mrd. Menschen auf der Erde leben und hiervon 60 % in Städten, kann man feststellen, dass sich die Diskrepanz zwischen Wasserangebot und Wasserbedarf massiv verschärfen wird und bereits in 20 Jahren der größte Teil der Menschheit mit (4 Mrd. Menschen) mit einer schlechten bis katastrophalen Wasserversorgung leben müssen.

Menschen in den verschiedenen Erdteilen stehen sehr unterschiedliche Wassermengen zur Verfügung. Wasserknappheit ist hierbei eine relationale Größe, die sich aus der Wassermenge im Verhältnis zu anderen Faktoren errechnen lässt.

Im Abschluss des Vortrages wurde auf den Begriff „human water stress index“ eingegangen. Dieser Begriff beschäftigt sich mit der Frage, ab welcher Wassermenge eine bestimmte graduelle Wasserknappheit vorherrscht. Die Wassermenge beinhaltet den gesamten Verbrauch, also auch für die Herstellung aller industriell hergestellten Waren, die ein Mensch verbraucht. Der Grenzbereich liegt hier bei einem Wert von 1.700 m3 Wasser jährlich, bei dem noch kein „water stress“ also Wassermangel vorliegt. Unter 500 m3 Wasser besteht extreme Wasserknappheit und somit „high water stress“.

Im Anschluss an den Vortrag gab es eine Reihe von Fragen, Anregungen und eine Diskussion zu diesem Thema. Die Themenreihe Wasser wird fortgesetzt, wobei das nächste Mal wieder ein politisches Thema im Fokus steht.

Textilhändler auf dem Prüfstand

a) 2. Jahrestag des Einsturzes der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch
– Bericht einer Geretteten
– Bericht der Untersuchungskommission
– erste Konsequenzen: Abkommen zum Brand-und Gebäudeschutz, europäische Unternehmen schließen sich zur Arbeitsgemeinschaft Accord zusammen, internationale Experten überprüfen in mehr als 1000 Fabriken die Gebäudesicherheit
– Regierung schließt 65 Fabriken, Zulassung von Gewerkschaften vereinfacht, Mindestlohn von 30 auf 50 € erhöht, Ausbildung von Sicherheitskontrolleuren, Beschränkung der Arbeitszeiten
In den 2000 offiziell registrierten Firmen werden die Standards eingehalten, kaum zu kontrollieren sind die Subunternehmer, z.T. illegal, geschätzt 1500.
Für die Entschädigung der Hinterbliebenen und Verletzten wurde ein Fonds eingerichtet (30 Mio €). Es fehlen noch 9 Mio. Inzwischen hat Benneton 1 Mio zugesagt.

b) Verhalten von KiK im Fall Ali Enterprises in Karatchi (Pakistan) nach der Brandkatastrophe am 11.09.2012
KiK hat Soforthilfe von 1 Mio Dollar gezahlt ohne Anerkennung von Ansprüchen. Angeblich Geschäftsbeziehungen im November 2011 eingestellt, Ware wurde noch bis Mitte 2012 gefertigt. Die Selbstorganisation der Überlebenden hat mit vier der Opfer Mitte März Klage auf Schadenersatz beim Landgericht Dortmund eingereicht. In Pakistan hat sich an den Arbeitsbedingungen nichts verändert.

c) Gründung des Bündnisses für Nachhaltige Textilien am 16.10. 2014 auf Initiative von Entwicklungsminister Müller
Das Konzept sieht Standards für die gesamte Textilkette vor. Ein Aktionsplan ist Bestandteil. Die großen namhaften Unternehmen haben noch nicht unterschrieben. Veränderungen des Aktionsplans werden als Kompromiss angeboten.

d) Was tun?!
– Kleidung lange tragen
– zertifizierte Kleidung kaufen – neue Internetseite des BMZ: http://www.textilklarheit.de
– Organisationen wie CCC (Saubere Kleidung), CIR, Südwind unterstützen
– Kampagnen unterstützen, z. B. Meine Stimme für gerechte Löhne – onlinepetition des Dachverbandes der Kritischen Aktionäre – http://www.openpetition.de/petition/online/meine-stimme-fur-gerechte-lohne
oder Kommunen in der Pflicht – Für einen verantwortlichen Einkauf
www.ci-romero.de/cora

 Karl Kerschgens