Archive for Juni 2015

Island – der andere Weg aus der Finanzkrise

Walter Tydecks befasste sich in seinem Einleitungsreferat mit der Vorgeschichte der Finanzkrise, dem wirtschafts- und finanzpolitischen Umfeld Islands zwischen den USA und der EU, dem Schuldenberg des privaten Sektors und den Maßnahmen, die zur Überwindung der Krise ergriffen wurden.

In der Diskussion wurde immer wieder Unähnliches zur Situation Griechenlands festgestellt. Zur Lösung der gegenwärtigen Krise kann man es nicht als Modell heranziehen, Teilmaßnahmen sind jedoch überlegenswert.

Sieh dazu auch den Wikipediaartikel Islands Finanzkrise 2008 – 2011 (ca. 8 700 Wörter und 204 Anmerkungen)

Advertisements

Der Wasserhaushalt der Erde

Das Bensheimer Nord-Süd-Forum hat die Vortragsreihe zu den Themen Wasserknappheit, Dürre und Desertifikation in seiner letzten Sitzung fortgesetzt. Ulrich Grom, der sich seit mehreren Jahren mit diesem Themenfeldern beschäftigt und selbst Mitglied im Nord-Süd-Forum ist, referierte über den Wasserhaushalt der Erde.

Bevor die naturwissenschaftlichen Aspekte des Wasserhaushalts zur Sprache kamen, wurden grundsätzliche Dinge und Fakten zur Wasserknappheit in vielen Gebieten der Erde angesprochen. Die Diskrepanz zwischen dem Leid und der Not von Menschen, die in wasserknappen und von Dürre gezeichneten Gebieten leben und auf der anderen Seite den Annehmlichkeiten und Luxus durch ein Überfluss an Wasser, den Menschen besitzen, weil sie in wasserreichen Gebieten wohnen, ist unvorstellbar. 1,3 Mrd. Menschen sind faktisch von einer Wasserversorgung abgeschnitten, davon 800 Millionen vollständig. Letztere haben dauerhaft kein nutzbares Trinkwasser und leben nur von Schmutzwasser an dem sie unwillkürlich erkranken oder versterben.

Noch immer sterben 30.000 Kinder pro Tag aufgrund fehlendem oder verschmutztem Wasser.

Der Begriff Wasserhaushalt findet u.a. auch Verwendung in der Biologie. In den Geowissenschaften bedeutet er die Untersuchung der Aufnahme und Abgabe von Wasser in einem geografischen Gebiet z.B. in Ozeanen oder in einer Landschaft. Im Bereich der Landschaft wird dabei das Oberflächenwasser, die Verdunstung, der Niederschlag und die Ströme des Grundwassers berücksichtigt. Der Wasserhaushalt bestimmt somit maßgeblich die Ökosysteme, die sich in einer Landschaft bilden können und letztendlich zur Verfügung stehen. Den einen klassischen Wasser- haushalt der Erde gibt es praktisch nicht, da viele voneinander getrennte Haushalte existieren, wie die der verschiedenen Meere, den Seen und Oberflächengewässer oder den unterirdischen Wasserspeichern. Unterschieden wird ebenso in die chemischen oder biologischen Wasserhaushalte.

Ungeachtet von den Medien und breiter Öffentlichkeit ist dieses Thema in den vergangenen Jahren verstärkt in den Fokus der Wissenschaft gerückt. Zwei Faktoren sind hierfür ausschlaggebend nämlich der Klimawandel und das Auftreten von vermehrter Wasserknappheit und Dürren, sowie dem Auffinden von sog. Wasserplaneten in anderen Sonnensystemen, durch eine immer bessere Technik in der Astronomie. Alle seither gefundenen Planeten sind entweder komplett mit Eis bedeckt unter dem sich tausende Kilometer tiefe Ozeane befinden oder andere Faktoren wie Druckverhältnisse, Oberflächentemperatur und insbesondere ein starkes Magnetfeld, das die Erde vor den Sonnenwinden schützt, fehlen gänzlich. Ohne diesen Schutz würden die Ozeane quasi in den Weltraum verdunsten. Unzählige Faktoren müssen gegeben sein, damit sich ein Wasserhaushalt in der Form, wie er sich auf der Erde existiert, bilden konnte und somit höheres Leben erst möglich macht.

Im Anschluss verdeutlichte der Referent anhand einer Reihe von Zahlen den Umfang des Wasserhaushalts der Erde. Diese Zahlen und einen Kurzinhalt des Vortrages wird das Nord-Süd-Forum in Kürze auf seiner Internetseite, die unter nordsuedforumbensheim.wordpress.com abrufbar ist, veröffentlichen.

Von den 1.342 Milliarden Kubikkilometer Wasser sind lediglich 2,6 % Süßwasser. Von diesem Süßwasseranteil verteilen sich 68,9 % auf die Polkappen und Gletscher, knapp 30 % ist im Grundwasser und 0,9 % befindet sich in der Bodenfeuchte und nur 0,3 % des Wassers ist in leicht zugänglichen Oberflächengewässern wie Seen und Flüssen.

Interessant ist der Vergleich der Verdunstungs- und Niederschlagsmenge, auf dem Areal der Meere und der auf der Landmasse. Von der Gesamtsumme des Verdunstungswassers über den Ozeanen mit jährlich 502.000 Kubikkilometern, fallen 44.800 Km3 nicht mehr zurück in die Meere sondern regnen auf der Landfläche ab. Theoretisch stünde dieses Wasser ständig als regenerative Wassermenge zur Verfügung, jedoch gibt es eine Vielzahl von Problemen, die diesen Vorteil wieder zunichte machen oder minimieren. So regnet das Wasser in den meisten Gebieten zu schnell in kurzen Flutperioden ab, kann nicht gespeichert werden und geht der Landwirtschaft verloren. Rechnet man diesen Faktor heraus und betrachtet die Wassermenge, die jährlich nicht auf der Gesamtfläche der Erde durch einen Abfluss in Seen und Flüsse verloren geht, dann kommt man, je mach Messverfahren, auf einen Wert zwischen 12.500 und 16.000 Km3. Dieser als base-flow-runoff bezeichnete Wert ist die Wassermasse, die ohne künstliche Regulation dauerhaft vermehrt zur Verfügung steht. Sie ist, gemessen an dem benötigten Wasser für die Nahrungsmittelproduktion und allgemeiner Wasserversorgung der Menschheit, verschwindend gering. Hinzu kommt, das Problem, dass das Aufkommen von Niederschlägen nicht mit der Siedlungsstruktur der Menschen korreliert. Ausgehend davon, dass im Jahre 2025 ca. 8 Mrd. Menschen auf der Erde leben und hiervon 60 % in Städten, kann man feststellen, dass sich die Diskrepanz zwischen Wasserangebot und Wasserbedarf massiv verschärfen wird und bereits in 20 Jahren der größte Teil der Menschheit mit (4 Mrd. Menschen) mit einer schlechten bis katastrophalen Wasserversorgung leben müssen.

Menschen in den verschiedenen Erdteilen stehen sehr unterschiedliche Wassermengen zur Verfügung. Wasserknappheit ist hierbei eine relationale Größe, die sich aus der Wassermenge im Verhältnis zu anderen Faktoren errechnen lässt.

Im Abschluss des Vortrages wurde auf den Begriff „human water stress index“ eingegangen. Dieser Begriff beschäftigt sich mit der Frage, ab welcher Wassermenge eine bestimmte graduelle Wasserknappheit vorherrscht. Die Wassermenge beinhaltet den gesamten Verbrauch, also auch für die Herstellung aller industriell hergestellten Waren, die ein Mensch verbraucht. Der Grenzbereich liegt hier bei einem Wert von 1.700 m3 Wasser jährlich, bei dem noch kein „water stress“ also Wassermangel vorliegt. Unter 500 m3 Wasser besteht extreme Wasserknappheit und somit „high water stress“.

Im Anschluss an den Vortrag gab es eine Reihe von Fragen, Anregungen und eine Diskussion zu diesem Thema. Die Themenreihe Wasser wird fortgesetzt, wobei das nächste Mal wieder ein politisches Thema im Fokus steht.