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Gedenkstunde für Nelson Mandela am 12.12. 2013

Gedenkstunde für Nelson Mandela

12. 12. 2013 Bensheim

Liebe Freundinnen und Freunde, meine Damen und Herren,

ich finde es wunderbar, dass so viele von Ihnen heute Abend gekommen sind. Es entspricht wahrscheinlich einem zutiefst menschlichen Bedürfnis, Trauer gemeinsam zu begehen, zusammen zu rücken, inne zu halten und Rückblick zu halten. Die Menschen in Südafrika haben dies auch eindrücklich gezeigt. Lassen Sie uns beginnen mit

Musik von Branda Fassie: „Black President“

Gedicht von Gcina Mhlophe „Großer Mann vergiss nicht“ von 1995 S. 148

1. Seine Haltung zum Leben

In Afrika gibt es die Vorstellung von ubuntu – die tiefe Überzeugung, dass wir nur durch die Menschlichkeit anderer zu Menschen werden. Wenn wir in dieser Welt etwas erreichen wollen, so ist es demnach zu gleichen Teilen unserer Arbeit und der Leistung anderer zu verdanken.“ Dies schreibt Nelson Mandela in seinem Vorwort zu „Mandelas Weg

Liebe, Mut, Verantwortung – Die Weisheit eines Lebens“, Autor Richard Stengel.

Dieser Biograf Mandelas beschreibt ihn in so:

„Er ist ein Mann voller Widersprüche, dickhäutig und gleichzeitig sehr verletzlich. Mandela ist eine Mischung aus afrikanischem König und britischen Aristokraten. Sein Charme ist politischer wie auch persönlicher Natur. In der Politik geht es darum, jemanden zu überzeugen und Mandela sieht sich daher nicht so sehr als Großen Kommunikator denn als Großen Überzeuger.

Mandela interessiert sich nicht für materielle Besitztümer. Für seine Überzeugung tritt er mit einer unbeugsamen Sturheit ein. „Das ist nicht recht“. Es war diese Unduldsamkeit gegenüber Ungerechtigkeit, die ihn antrieb. Sie befeuerte seine Unzufriedenheit, sein klares Urteil über die unmoralische Apartheid.

Nelsen Mandela hat in seinem Leben viele Lehrer gehabt, doch sein größter Lehrmeister war das Gefängnis: Das Gefängnis formte den Mann, den wir heute sehen und kennen. Die 27 Jahre waren eine Feuerprobe, die ihn stählten und alles weg brannte, was nicht zu seinem Wesen gehörte. Das Gefängnis lehrte ihn Selbstkontrolle, Disziplin und Konzentration, die Eigenschaften, die er als wichtigste Führungsqualitäten erachtete. Es lehrte ihn, ganz Mensch zu sein.

Oliver Tambo, Weggefährdte im ANC und sein einstiger Partner in der Rechtsanwaltskanzlei beschrieb den jungen Mandela so:

„Als Mensch ist Nelson Mandela leidenschaftlich, emotional und empfindlich. Von beleidigendem und herablassenden Verhalten lässt er sich leicht zur Bitterkeit und Rachsucht hinreißen“ Wie wurde aus dem leidenschaftlichen Revolutionär ein maßvoller Staatsmann? Im Gefängnis musste er sämtliche Reaktionen mäßigen. Ein Häftling hat kaum etwas unter Kontrolle. Was er aber kontrollieren kann, ja musste, war er selbst.

Mandela gilt gemeinhin als Mut in Person. Seine eigene Definition von Mut ist eigenwillig. Mandela zufolge entscheiden wir uns mutig zu sein. Niemand kommt mutig zur Welt, sagt er. Mut offenbart sich darin, wie wir bestimmte Situationen meistern.

Im Rivonia-Prozess hatte er Angst. Auch wenn seine Wärter ihm auf Robben Island Prügel androhten, hatte er Angst. Als Flüchtling im Untergrund hatte er Angst. Als er Geheimverhandlungen mit der Regierung aufnahm, hatte er sie. Und auch in der turbulenten Zeit vor den ersten Wahlen. Da unterschied er sich nicht von Ihnen oder mir.

Er fürchtete sich nie, seine Angst einzugestehen. Aber er beschloss, dass er nach außen hin immer stark, nie schwach sein wollte. Mut ist nicht mit Furchtlosigkeit gleichzusetzen. Mut ist, wenn man seine Angst überwindet.

Ein Beispiel: Mandela besuchte in den 50er Jahren James Moroka, den Präsidenten des ANC. Auf dem Weg streifte sein Auto einen weißen Jungen auf dem Fahrrad. Der Junge war unverletzt, stand aber unter Schock. Mandela versteckte als erstes die Zeitung New Age, deren Besitz ihm 5 Jahre Gefängnis einbringen konnte. Dann traf ein Polizist ein, er sah den Jungen und sagte zu Mandela „Kaffer heute wirst du scheißen“. Mandela erwiderte: „Ich brauche keinen Polizisten, der mir sagt, wann ich scheiße“. Später sagte er zu diesem Zwischenfall: „Ich beschloss auf Angriff zu gehen, aber ich hatte Angst. Ich kann so tun, als wäre ich mutig und könnte die ganze Welt besiegen“ Als der Polizist auf ihn losgehen wollte, warnte Mandela ihn, er sei Anwalt und könne seine Karriere ruinieren. Mandela in seinem Tagebuch: „Man kann sich nicht vorstellen, wie überrascht ich war, als ich merkte, dass der Polizist zögerte“. Es hatte funktioniert. Er wurde am selben Abend freigelassen und durfte seiner Wege gehen. Stengel beschreibt weitere Beispiele von Robben Island, in der Mandela sich furchtlos zeigte, weil er eine Fassade aufbauen musste.

Führung zeigen Manchmal nahm Mandela den Begriff wörtlich, etwa bei der Ankunft auf Robben Island.

„Unter den abschätzigen Blicken und den hämischen Kommentaren der Wärter führte er die Gefangenen an, als sie die Insel betraten, um den anderen ein Vorbild zu sein. Ihr müsst euch von Beginn an gegen die Wachleute behaupten, vermittelte er seinen Kollegen.“

So beschreibt ihn Richard Stengel in seinem Buch: Mandelas Weg Liebe, Mut, Verantwortung – Die Weisheit eines Lebens.

2. Wogegen kämpfte Nelson Mandela

Sein Kampf galt der Apartheid in all ihren Facetten: Unterdrückung des Großteils der Bevölkerung, Verfolgung von demokratischen Kräften, Rassengesetze, Zwangsumsied-lungen, Krieg gegen die Nachbarländer.

Dazu eine Reihe von Großfotos: Überfüllte Grundschule

Indische Familie in Natal

Zwangsumsiedlung

Polizeigewalt

Verbrennung der verhassten Pässe

Demonstration gegen die Passgesetze

Massaker von Sharpeville

3. Mandelas Werdegang

Geboren am 18. Juli 1918 in Mvezo, einem Dorf im Distrikt Umtata, der Hauptstadt, als es das Homeland Transkei noch gab. Sein Vater, Berater zweier Könige und Häuptling hatte mit seiner dritten Ehefrau mehrere Kinder. Nelson hatte Brüder und Schwestern. Für seine Mutter war er das erste Kind, für seinen Vater der jüngste von 4 Söhnen.

Sein Vater erzählte ihm Geschichten von historischen Schlachten und heldenhaften Xosa-

Kriegern, seine Mutter Mythen, Legenden und Fabeln. Er wuchs mit dem Sohn des Königs der Thembu, Jongintaba auf. Immer wieder kehrte Mandela später für Spaziergänge in die Gegend seiner Kindheit zurück. Dort gab es einen großen runden Felsen, die Kinder suchten sich flache glatte Steine, um vom Felsen zu rutschen. Seine Mutter habe ihm immer eine ordentliche Tracht Prügel verpasst, wenn er wieder seine Schuluniform ruiniert hatte, so Mandela. Nach dem Besuch der Methodistenschule ging er zum Fort-Hare-Col-

lege, um zu studieren, wurde aber nach drei Jahren von der Schule verwiesen wegen der Mitorganisation eines Boykottes des Studentenbeirates. Kurz kehrte er nach Hause zurück, um dann in Johannesburg sein Studium fortzusetzen. Walter Sisulu und Mandela lernten sich kennen und blieben ein Leben lang eng verbunden.

1944 trat er dem ANC bei und gründete mit anderen die Jugendliga. Mit Oliver Tambo eröffnete er eine Anwaltspraxis und beriet Opfer des Systems.

In den 50er Jahren riefen die beiden die Stay-at-Home Kampagne aus, um die unsäglichen Arbeits- und politischen Bedingungen abzuwehren.

Die Wende kam mit dem 21. März 1960. Schwarze kämpften gegen die Passgesetze, die Tausende von ihnen ins Gefängnis brachten, weil sie ihre Pässe bei Kontrollen nicht dabei hatten oder weil sie nicht vollständig in Ordnung waren. Der PAC organisierte eine Demonstration in Sharpeville. Die Polizei erschoss 69 Männer und Frauen, die friedlich ihren Protest ausdrückten. Viele von ihnen wurden in den Rücken getroffen, das heißt an der Flucht gehindert.

Der Ausnahmezustand wurde nach den landesweiten Protesten ausgerufen, der ANC, PAC und die südafrikanische kommunistische Partei wurden verboten und damit in den Untergrund und ins Exil getrieben. Für die politisch Verantwortlichen bedeutete dies, der friedliche Kampf der Unterdrückten wird von der Regierung und ihren Handlangern, der Polizei und dem Militär mit immer brutaleren Mitteln beantwortet. Mandela und Tambo erklärten, dass in Zukunft auch Sabotageakte gegenüber Regierungseinrichtungen verübt würden. Der militärische Arm des ANC – Umkhonto we Sizwe wurde gegründet.

Presseerklärung, in der Mandela seine Entscheidung, die politische Arbeit im Untergrund fortzusetzen, im Juni 1961 bekannt gab. Aus: Der Kampf ist mein Leben

S. 191

Am 11. Juli 1963 wurden sieben Männer auf einer Farm bei Johannesburg Rivonia verhaftet, darunter Walter Sisulu, Govan Mbeki, Dennis Goldberg. Wenige Tage später auf einer Autofahrt von Pietermaritzburg nach Johannesburg wurde Nelson Mandela von der Polizei gestellt.

4. Rivonia-Prozess und seine Rede aus: Der Kampf ist mein Leben

Im Oktober 1963 begann der berühmte Rivonia Prozess. Die Staatsanwaltschaft beschuldigte die Angeklagten, eine Kampagne zum Sturz der Regierung durch einen bewaffneten Aufstand in die Wege geleitet zu haben. Ihnen wurden Verstöße gegen das Sabotagegesetz und andere Delikte vorgeworfen. S. 253 – 285 (gekürzt)

Die Rede endet mit den berühmten Sätzen: „Ich habe mein Leben dem Kampf des afrikanischen Volkes geweiht. Ich habe gegen weiße Vorherrschaft gekämpft und ich habe gegen schwarze Vorherrschaft gekämpft. Ich bin stets dem Ideal einer demokratischen und freien Gesellschaft gefolgt, in der alle Menschen friedlich und mit gleichen Möglichkeiten zusammenleben. Für dieses Ideal lebe und kämpfe ich. Aber wenn es sein muss, bin ich bereit, dafür auch zu sterben.“

5. Seine Beziehung zu Winnie Madikizele

Winnie Madikizela kam als junge Frau aus der Transkei, um sich in Johannesburg als Sozialarbeiterin ausbilden zu lassen. Nach der gescheiterten ersten Ehe Nelsons mit Evelyn, in der vier Kinder entstanden, heirateten die beiden im Jahr 1958.

Nelson war sehr verliebt in die schöne junge Frau, er sah sie aber auch im Gegensatz zu seiner ersten Frau als Gefährtin im Kampf. 4 Tage Urlaub vom Hochverratsprozess wurden ihm zur Hochzeit zugebilligt, auch vom Bann. Zwei Töchter bekam das Paar Zenani und Zindzi. Ihre Ehe bestand aus vielen Entbehrungen, die vor allem durch die Abwesenheit in Folge der permanenten politischen Arbeit, Verhaftungen und Zeiten des Abtauchens in den Untergrund gekennzeichnet waren. Mal war Winnie verhaftet, mal Nelson. Und dann kam der Rivonia-Prozess, der mit lebenslanger Haft für Nelson endete. Zum Glück nicht, wie viele befürchtet hatten, mit der Todesstrafe. Wie alle wissen, musste Nelson 27 Jahre hinter Gittern verbringen, 22 Jahre auf Robben Island. Dies bedeutete für Winnie und ihre Töchter, dass sie den Ehemann und Vater zwar hin und wieder sehen konnten, bis Mai 1984 aber nur hinter dicken Glas. Nelsons Briefe an Winnie aus Robben Island sind Zeugnis seiner Sehnsucht.

In der FR vom 7.12. steht in einem Interview mit Christo Brand, einem ehemaligen Gefängsniswärter auf Robben Island: „Winnie hatte für einen Besuchstermin ein Baby in einer Decke auf die Insel geschmuggelt, es war ein Enkel Mandelas. Winnie fragte mich, ob sie Mandela das Kind zeigen könne. Das war mir aber zu riskant. Kinder waren auf Robben Island verboten. Also sagte ich nein. Doch am Ende des Besuchs musste Winnie noch etwas erledigen und drückte mir das Baby in den Arm. Ich wollte mich wehren: Schließlich hatte ich bis dahin noch nie ein schwarzes Baby gehalten. Winnie ließ sich nicht davon beeindrucken. Als sie draußen war, ging ich zu Mandela und gab ihm das Kind. Seine Augen füllten sich mit Tränen. Danach war unser Verhältnis anders“.

Die Enttäuschung kam nach der Entlassung. Sicher hatten Nelson schon im Gefängnis die Kritik, die der ANC an Winnie hatte, erreicht, aber er hoffte, er könne die Beziehung mit ihr fortsetzen. Im April 1992 kündigt Mandela die Trennung von seiner Frau an. Dezent deutete er an, er habe sich sehr einsam gefühlt. Über ihren Verrat an ihm als Mann, am ANC äußerte er sich nicht.

Ich habe Winnie Mandela verehrt und später kritisiert. Mir war aber immer bewusst, dass es leicht ist sie zu verurteilen, dass aber keine von uns weiß, wie sie sich entwickeln würde in der Situation, die Winnie viele Jahre ertragen musste.

6. Auf Robben Island

6 Briefe, drei ausgehende und drei eingehende pro Monat wurden erlaubt. Pro Monat durfte er zwei Besuche von jeweils einer halben Stunde von zwei Personen gleichzeitig bekommen. Als politischer Gefangener dürfe er keinen „Kontaktbesuche“ erhalten, d.h. es war immer eine dicke gläserne Trennscheibe zwischen ihm und seiner Frau, zwischen ihm und seinen Töchtern. Ebenso wurde ihm der Zugang zu Zeitungen und Radiosendungen verweigert. Als Hauptarbeit wurde bis 1973 das Steineklopfen in dem Kalksteinbruch angeordnet – bei jedem Wetter. Die Männer in Einzelhaft wurden zur Untätigkeit in ihren Zellen verurteilt. Aber sie nutzten die Zeit auf Robben Island auch für eine Fernstudium. Die Insel wurde oft die beste Uni für Schwarze gepriesen. Die Gefangenen hatten sich auch nach langen Auseinandersetzungen mit der Gefängnisleitung erkämpft, einmal in der Woche Fußball zu spielen zu können. Zitate: aus : Der Kampf ist mein Leben

Brief an den Justizminister vom 22. 4. 1969 von Robben Island „Lassen Sie uns frei oder behandeln uns als politische Gefangene“ S. 291 und S. 294 –

Präsident P.W. Botha, wollte Mandela unter der Bedingung freilassen, dass dieser der Gewalt abschwöre. Aus Mandelas Antwort an den Präsidenten. Der Text wurde verlesen von seiner Tochter Zindzi im Jabulani-Stadion von Soweto im Februar 85. S. 307

Wir alle sehen die Bilder vor uns als Mandela am 11. 2. 1990 an der Seite seiner Frau Winnie das Gefängnis in Paarl verlässt. Er strahlt, ist überrascht und hoch erfreut über die vielen Menschen, die ihn auf seinen ersten Schritten in die Freiheit begleiten wollen. Winnie erhebt als erste die Faust und Nelson schließt sich ihr an. „Amandla – und die Antwort: Ngawethu“ – erschallt: „die Macht – dem Volk“, dazu „Mayibuye“ Rufe. Auch diese Bilder ziehen vor unser Auge: Mandela am Abend seiner Entlassung auf dem Balkon des Rathauses in Kapstadt, er spricht über politische Visionen, er bedankt sich für den weltweiten Einsatz für seine Freilassung und er spricht auch seiner Frau und Familie seinen Dank aus: „Ich bin überzeugt, dass ihre Schmerzen und Leiden weit größer waren als meine eigenen“. Die Anti-Apartheid-Bewegung hat eine PM am Tag seiner Entlassung herausgegeben, darin heißt es, Zitat: „Nach 27 Jahren Haft in südafrikanischen Gefängnissen wurde Nelson Mandela, prominentester politischer Gefangener der Welt, heute freigelassen. . Die Freilassung Nelson Mandelas wurde vor allem ermöglicht durch den Widerstand Südafrikas, aber auch durch die Befreiungsbewegung Namibias, die Standhaftigkeit der Frontstaaten, die internationale Bewegung gegen Apartheid und die Verschiebungen im internationalen Kräfteverhältnis. Nelson Mandela verlässt das Gefängnis als gezeichneter Mann – gezeichnet von 10026 Tagen physischer und psychischer Entbehrungen, hartnäckiger Rebellion und dem Bewusstsein weltweiter Anerkennung. Ohne Gefängnisketten kann Mandela nun Politiker, Freund, Ehemann, Vater sein. Wir freuen uns mit ihm, seiner Familie, dem ANC und seinem Volk über diesen großartigen Erfolg. Nelson Mandela war und ist Hoffnungsträger für unzählige Menschen in Südafrika, Namibia, den Frontstaaten und in allen fünf Kontinenten, die sich gegen Rassismus, Unterdrückung und Ausbeutung, für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen. Mit der Freilassung Nelson Mandelas gesteht das Apartheidregime faktisch ein, dass Apartheid keine Zukunft hat und dass der Tag Verhandlungen über Machtübergabe an die authentischen VertreterInnen des südafrikanischen Volkes kommen wird.

Die Vorbedingungen der Anti-Apartheid-Kräfte in Südafrika sind:

1. Die Freilassung aller politischen Gefangenen

2. Die Entbannung aller Organisationen und Personen

3. Der Abzug aller Militärs aus den Townships

4. Die Aufhebung des Ausnahmezustandes und die Abschaffung aller Apartheidgesetze.

Die heutige Situation in Südafrika ist von der Verwirklichung dieser Forderungen noch weit entfernt. Noch kann der freigelassene Mandela nach den Gesetzen der Apartheid jederzeit wieder festgenommen, gefoltert, ja getötet werden. Nur durch die Abschaffung der Apartheid können die Ziele, für die sich Nelson Mandela zeit seines Lebens eingesetzt hat und für die er bereit war zu sterben, erreicht werden. Das wirksamste Mittel, mit dem wir in der Bundesrepublik dazu beitragen können, ist die Beendigung jeglicher Unterstützung der Apartheid. Die Bundesrepublik ist hier ganz besonders gefordert, da sie wichtigster Handelspartner, Financier und Aufrüster des Apartheidstaates ist.“ PM vom 12. 2. 1990

7. Seine Leistungen als Präsident

Sein sicher größtes Verdienst war die Versöhnung gegenüber den bisherigen politischen Gegnern, der Regierung und ihrer Nationalen Partei. Ein Ausdruck davon war eine Besuch bei der Witwe des als Architekten der Apartheid genannten Hendrik Verwoerd, Besie Verwoerd.

Mit Hilfe von Erzbischof Desmond Tutu, dem Justizminister Dullah Omar rief er die Truth and Reconciliation Commission – die Wahrheits- und Versöhnungskommission ins Leben. Auch wenn sie ihre Aufgaben nicht zur Gänze erfüllte, war sie doch eine wichtige Institution, um die Gräueltaten der Regierung, aber auch des ANC und des PACs ans Licht zu bringen. Die Opfer wurden gewürdigt.

Mandela gelang auch die Einbindung der Inkatha Freedom Party und ihres Führers Gathsa Buthelezi. Er schätzte ihn als gefährlich ein, deshalb machte er ihn zum Innenminister, weil er ihn dann im „Auge behalten“ und damit kontrollieren konnte. Sein Biograf Richard Stengel nannte dies „Nimm einen Rivalen unter deine Fittiche“.

In der ersten Regierungsphase hat Präsident Mandela das RDP Reconstraction and Development Programm – Programm zum Wiederaufbau und Entwicklung aufgelegt. Es sollte den Menschen Arbeit bringen, die Infrastruktur verbessern, sprich Wohnungsbau, Versorgung mit Elektrizität und Wasser. Die kostenlose Gesundheitsfürsorge für Schwangere und Kleinkinder sollte daraus finanziert werden.

Im Mai 1996 verabschiedete das Parlament die neue Verfassung zu deren Erarbeitung Erkenntnisse aus aller Welt gesammelt waren.

8. Sein Versäumnis

Zu viele Aufgabe gleichzeitig hatte Mandela stets zu schultern. Er selbst sagte nachdem er sein Amt nach 4 Jahren aufgegeben hatte, er hätte sich dem Kampf gegen Aids mehr widmen müssen. Ja dies ist ihm vorzuwerfen, nicht genug getan zu haben, als sich abzeichnete, dass diese Pandemie viel mehr Tote hervorbringen würde als der Befreiungskampf in all den Jahren der Apartheid. Mandela war nicht mal der Verleumdung entgegen getreten, als seine Schwiegertochter erkrankte und starb.

9. Seine Besuche in Deutschland

Wenige Monate nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis, im Juni 1990, besuchte Nelson Mandela das erste Mal Deutschland.

Zum 3. Mal kam er im Mai 1996. Als langjähriges Mitglied im Vorstand der Anti-Apartheid-Bewegung hatte ich eine Einladung für einen Empfang in der Botschaft bekommen, sie bedeutete eine große Ehre für mich. Erinnern kann ich mich nur noch an ihn als eine große Gestalt, die mit dem berühmten warmen Lächeln uns alle begrüßte. Und ein Teil der Gäste konnte wunderbar beim Steyn, der burischen Fassung der Nationalhymne mitsingen, ein anderer Teil und dazu gehörte ich, bei Nkosi Sikele Iafrika.

Seiner Rede im Deutschen Bundestag am nächsten Tag, dem 22. Mai 1996 konnte ich auch beiwohnen. Selten in meinem Leben war ich so aufgewühlt. Mir rollten die Tränen, ich hatte weiche Knie, als er unter großem Beifall aller Menschen, der Regierung, der Abgeordneten und der Besucher hereinkam. Ich dachte damals, wie lange hat es gedauert, bis in diesem Hohen Haus Nelson Mandela nicht mehr als Terrorist, sondern als Führer der Befreiungsbewegung ANC wahrgenommen wurde. Wie viele Entscheidungen gegen die Mehrheit der südafrikanischen Bevölkerung waren in der Vergangenheit in diesem Haus getroffen. Mandelas Rede war geprägt von Gedanken nach vorne, ohne jegliche Abrechnung oder Vorwürfe. Dies entsprach nicht nur seinem Wunsch nach guten Beziehungen, nach Investitionen für sein Land, es entsprach auch seiner ganzen Haltung. Hier einige Auszüge:

Zitate: … „Wir sind aus Südafrika und Afrika mit erhobenem Haupt und immer voller Hoffnung gekommen, um an dieser einen Quelle menschlichen Fortschritt zu erklären, dass sich die eine Menschheit, von der wir sprechen, nach einem besseren Leben sehnt und dass niemand in Sicherheit und Frieden leben kann, wenn andere in Unsicherheit und im Streit leben….Die Erkenntnis, dass alle gleich sind und niemand etwas Besseres oder Schlechteres verdient, veranlasste Millionen deutscher Menschen, für den Freiheitskampf in Südafrika zu geben, nicht aus Mitleid, sondern weil sie wussten, dass unser Sieg auch ihr Sieg sein würde.

„Ja diesem Sinne bin ich ganz ergeben,

das ist der Weisheit letzter Schluss:

Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,

der täglich sie erobern muss“.

Diese große Herausforderung, von der Goethe spricht, entspricht auch unseren Erfahrungen in Südafrika“.

Mit der Nationalhymne Nkosi Sikelele IAfrika wird die Gedenkstunde für Nelson Mandela beendet. Ich danke Ihnen und Euch für Euer Kommen!

Ausleihe, Jugendaktion

Unterrichtsmaterialien

Die Jugendaktion der Karl Kübel Stiftung orientiert sich sowohl an den Lehrplänen der Schulstufen als auch an den Interessen der Schüler. Auf dieser Basis stellt sie Unterrichtsmaterialien zur Verfügung oder unterstützt Projekttage an Schulen.

mehr Monika Gerz <m.gerz@kkstiftung.de>
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