Archive for Mai 2013

Konflikte um die wichtigste Ressource

Vortrag über die globalen Wasserkrisen in der Welt

BENSHEIM. Beim Treffen des Nord-Süd-Forum referierte Ulrich Grom über regionale, nationale und globale Wasserkrisen und gab einen Ausblick auf die zukünftige weltweite Wasserversorgung.

Wasser sei ein knappes Gut und im Gegensatz zu anderen Ressourcen nicht substituierbar. Deshalb mussten schon sehr früh in allen Kulturen kooperative Verhaltensregeln gefunden werden, um das Zusammenleben friedlich zu gestalten. Warum werden oder wurden einige dieser damit verbundenen Probleme gelöst, während andere zu Konflikten und Krisen führten?

Ein entscheidendes Kriterium sei die politische Verfasstheit eines Staates. Welche Priorität die Wasserversorgung für die Menschen eines Landes hat, darüber werden politische Entscheidungen getroffen, die wiederum Vorsorge- und Notfallpläne bereit halten oder oft leider auch nicht. Neben der Frage des guten Willens stellt sich die Frage nach der Umsetzbarkeit von Maßnahmen.

 Danach beschrieb Ulrich Grom ausführlich drei Gebiete auf der Erde, die als die größten Wasserkonfliktherde gelten und deren Probleme in erster Linie von Menschen gemacht sind. Sie betreffen die Anrainerstaaten der Flüsse Nil, Jordan sowie Euphrat und Tigris.

Am Nil ist der Unterlieger-Staat Ägypten militärisch zwar die stärkste Macht, sieht sich aber dennoch der Gefahr ausgesetzt , dass die am Nil liegenden Staaten Kongo, Tansania, Uganda, Kenia, Äthiopien, Eritrea und der Sudan durch übermäßige Entnahme von Nil-Wasser Probleme bereiten können.

Wohl der größte Wasserkonflikt der Welt besteht im Nahen Osten am Jordan zwischen den Staaten Israel, Jordanien und sämtlichen von Israel besetzten Gebieten.

Israel leitet Jordanwasser ab

Israel ist die überlegene militärische Macht in der Region und leitet derzeit 90 Prozent des gesamten Jordanwassers auf sein Staatsgebiet um. Kein anderer Staat lebt derart auf Kosten der Wasserversorgung seiner Nachbarn. Zwar gibt es mit Jordanien seit 1994 einen Friedensvertrag und eine verbindliche Regelung bezüglich der Wasseraufteilung, jedoch profitieren hiervon die Menschen im Gaza-Streifen und im Westjordanland nicht.

Eine problematische Situation ergebe sich an den Flüssen Euphrat und Tigris, deren Anrainerstaaten Türkei, Syrien und der Irak ebenfalls politische Instabilitäten aufweisen und bis heute keine verbindliche Regelungen hinsichtlich der Wasserverteilung getroffen hätten. Die Türkei ist als militärisch überlegener Oberlieger beider Flüsse klar im Vorteil und hat als Nato-Mitglied keine militärische Gegenwehr seiner Nachbarstaaten zu befürchten.

Ein weiteres Thema des Abends waren die Rechtsnormen, die sich die internationale Gemeinschaft gegeben hat, um den Zugang zu Wasser für alle Menschen möglichst gerecht zu regeln. Die Aussichten für die Durchsetzung des Menschenrechts auf sauberes Wasser seien allerdings düster.

Auf dem zweiten Welt-Wasserforum im Jahre 2000 konnte man eine ständige Verschlechterung durch die Klimaerwärmung und den rasanten Anstieg der Weltbevölkerung feststellen. Zu dieser Zeit ging man noch davon aus, dass bis zum Jahr 2005 nur noch 300 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hätten. Momentan leben immer noch 1,2 Milliarden Menschen ohne eine ausreichende Wasserversorgung – mit steigender Tendenz.

Überrascht waren die Zuhörer von der Einschätzung des Referenten, dass es zukünftig keine Kriege zwischen Nationalstaaten wegen Wasser geben werde. Die Konflikte werden sich zwar auf regionaler und lokaler Ebene verstärken und auch häufig zu Gewaltausbrüchen führen. Das bedeute aber nicht, dass Staaten zukünftig wegen des Zugangs zu Wasser Krieg führen würden.

Abkommen zwischen Staaten

Während der letzten 50 Jahre wurden mehr als 200 Abkommen zwischen Nationalstaaten getroffen, die die Wasserverteilung regeln. Ein Krieg um Wasser koste jeden Staat immer das Mehrfache der Durchführung möglicher Wasserinfrastrukturmaßnamen. Auch technisch sei es kaum möglich, über Jahre hinweg riesige Wassermengen zurückzuhalten oder zu stauen, um dem Nachbarstaat zu schaden. Ein Staat, der heute in aggressiver Weise einem anderen das Wasser abgraben oder einen Angriffskrieg deshalb beginnen würde, müsse mit Sanktionen der Weltgemeinschaft rechnen. red

© Bergsträßer Anzeiger, Freitag, 31.05.2013

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