Archive for April 2011

Wüstenbildung

Desertifikation

Eine unterschätze Bedrohung für die Menschheit

Vortrag über fortschreitende Wüstenbildung und ihre Auswirkungen

Im Rahmen der monatlichen Treffen des Bensheimer Nord-Süd-Forums, jeweils am 4. Dienstag eines jeden Monats, im Franziskushaus, Klostergasse, stand bei der letzten Zusammenkunft das Problem der weltweit fortschreitenden Wüstenbildung im Mittelpunkt. Ulrich Grom vom Nord-Süd-Forum stellte das Problem in einem ausführlichen Vortrag dar. Wüstenbildung oder fachbegrifflich Desertifikation, beschreibt den Prozess einer fortschreitenden Verschlechterung der Regernationsfähigkeit des Ökosystems hinsichtlich der Vegetation, des Wasser und des Bodens, durch unangepasste Eingriffe des Menschen in den Naturhaushalt.

Damit wird klar, dass es sich hierbei nicht nur um die Ausbreitung der klassischen großen Sandwüsten wie z.B. der Sahara handelt. Desertifikation hat eine komplexe Ursachenkette, in der die Dürre nur ein Bestandteil ist. Entscheidende Komponenten der Desertifikation sind die nachhaltige Wirkung und zudem ein hohes Maß an Irreversibilität. Sie kommt in Übergangszonen zu Wüstengebieten, Steppen und Savannen vor, wo die Entstehungsherde liegen. Auch die Randgebiete der Tropen sind immer mehr betroffen. Ein Drittel des Festlandes der Erde sind Trockengebiete und wiederum 2/3 dieser Trockengebiete gehören zu den subtropischen oder tropischen Trockengebieten. Jährlich werden ca. 6 Mrd. Hektar durch Desertifikation weltweit unbrauchbar. Inzwischen sind 30 % der Landoberfläche akut gefährdet. Dies ist die dreifache Größe Europas.

Ursachen sehr komplex

Die Unterscheidung kann hier zwischen natürlichen Ursachen, den Geofaktoren und den durch den Menschen ausgelösten Ursachen, den anthropogenen Faktoren, getroffen werden.

Neben natürlichen Klimaveränderungen und Naturkatastrophen, sind die Eingriffe des Menschen in den Naturhaushalt der Hauptgrund, weshalb weltweit immer weniger Anbaufläche für die Nahrungsmittelproduktion, bei einer stärker werdenden Weltbevölkerung, zur Verfügung stehen. Das Klima prägt und verändert Böden nachhaltig, was wiederum zu Dürren führt und somit die Pflanzendecke nachhaltig zerstört. Als Folge fällt die Schattenwirkung aus, es kommt zu erhöhter Verdunstung und zu einem verstärkten Austrocknen der Böden. Die Degeneration der Pflanzendecke verändert zudem das Mikroklima. Fatal wird es dann, wenn der Regenrationsprozess der Pflanzen gänzlich ausfällt.

Desertifikation bewirkt den Verlust der Bodenfruchtbarkeit. Die Nahrungsmittelerträge verringern sich, das Saatgut geht verloren, den Bauern steht eine immer geringere Anbaufläche zur Verfügung. Die Folge sind Fehlernährung, da eine Vielzahl von Nahrungsmitteln nicht mehr produziert werden können, Nutztiere als überlebenssichtige Einnahme- oder Nahrungsmittelquelle haben keine Überlebenschance. Der Hunger in den ländlichen Gebieten hat oft eine Landflucht zur Folge. Die Abwanderung in die Städte lässt Slums entstehen, soziale Spannungen und politische Krisen, speziell in den Ländern, in denen die fortschreitende Wüstenbildung ausgeprägt ist, sind ebenfalls negative Faktoren.

Folgen und Bekämpfungsmaßnahmen

Das Fortschreitén der Desertifikation ist schwer zu stoppen. Noch immer sind die Zusammenhänge der Ursachen nicht restlos erforscht. Die Liste der einzuleitenden Maßnahmen gegen die Desertifikation erscheint endlos. Einer zu schnellen Entnahme von Grundwasser, der übermäßigen Austrocknung der Böden, einer falschen Bodenbewirtschaftung wie z.B. der Überdüngung oder übermäßigen Nutztierhaltung auf Weideland muss entgegengewirkt werden. In den Industrienationen sind oftmals die Ausweisung von hochwertigen Natur- und Landschaftsflächen für Zwecke der Bebauung aller Art der Grund für wegfallende Anbauflächen und zunehmende Verschlechterung von Bodenqualität. Die politische Inaktivität der Staaten, in denen eine Wüstenbildung besonders ausgeprägt ist, bleibt ebenfalls ein Problem. Allen diesen Einflussfaktoren muss entgegengewirkt werden, wobei die regionalen Unterschiede berücksichtigt werden müssen.

Rechtliche Normen zur Bekämpfung

Mit der UN-Konferenz über Desertifikation, im Jahre 1977, wurde erstmals die Weltöffentlichkeit mit diesem Thema konfrontiert. Eine weitere Konferenz der UN gab es hierzu im Jahre 1992, in der man eine Konvention zur Bekämpfung der Desertifikation erarbeitet hat, der zwischenzeitlich 100 Länder beigetreten sind. Ziel war es, ein Ressourcenmanagement in den Trockengebieten zu verwirklichen und eine langfristige und verbindliche Unterstützung von außen zu sichern. Das stellt eine völkerrechtlich verbindliche Entwicklungszusammenarbeit dar, die sogar von Staaten gegenüber anderen Staaten eingefordert werden kann.

In seinen abschließenden Worten kritisierte der Referent die kürzlich in der Vortragsreihe „Lebenskunst“ vom sog. Trendforscher Matthias Horx gemachten Äußerungen hinsichtlich Angst und Panik. Wer mit seinen Thesen und provokanten Aussagen objektiv bestehende Gefahrenpotentiale, und hierzu wäre das Themenfeld Verwüstung als Menschheitsbedrohung ebenfalls zu benennen, als Hirngespinste abqualifiziert, handelt unverantwortlich und dümmlich. Menschen, die auf solche Probleme hinweisen oder sie bekämpfen, als „apokalyptische Spießer“ zu verunglimpfen sei zudem eine Unverschämtheit und Zeugnis einer Niveaulosigkeit.

Im Anschluss diskutierten die Zuhörer über das Thema, über das zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal ein Vortrag gehalten werden soll.

Aktionen zur Bekämpfung der Desertifikation

Green Belt Movement (Kenia)

Chinas Grüne Mauer

Afrikas Grüne Mauer im Sahel

u.a.

Advertisements