Archive for November 2010

Mikrokredite

In den vergangenen Wochen gab es Sendungen und Zeitungsberichte über negative Auswirkungen von Mikrokrediten mit reißerischen Schlagzeilen wie „Ausweglos verschuldet – Selbsttötungswelle unter Mikrokreditnehmerinnen in Indien“ oder „Ein Visionär scheitert“ (gemeint ist Prof. Yunus). Die Selbsttötungs„welle“ umfasste etwa 50 Personen in einem indischen Bundesstaat.
Aus einem Interview mit Prof. Reinhart Schmidt, Uni Frankfurt, Internationales Bank- und Finanzwesen: „Diese Fälle sind in einer Region Indiens passiert, in der sich zahlreiche Mikrofinanzinstitutionen einen erbitterten Wettbewerb liefern. Dort scheint der Druck der Kreditgeber auf die Mitglieder einer Gruppe von Schuldnern, die gemeinsam haften, enorm groß geworden zu sein und zu diesen furchtbaren Konsequenzen geführt zu haben.“ Von diesem Hintergrund war in der Presse nichts zu lesen, statt dessen Verallgemeinerungen.
Offensichtlich gibt es Missbrauch, Missstände und Profithaie. Sind deswegen schon Idee und 30-jährige Praxis der Vergabe von Mikrokrediten gescheitert? Die Beweise der Gegner sind noch zu wenig fundiert. Es gibt viele Gegenbeispiele für eine gut funktionierende Kreditvergabe.

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Uranabbau in Afrika – Thema am 23.11.2010

Der Abbau von Uran in afrikanischen Ländern wird das Hauptthema beim nächsten Treffen des Nord-Süd-Forum am 23.11.10 sein. Der letzte Castor-Transport, der auch durch Südhessen rollte, hat die Aufmerksamkeit auf das Ende des Nuklearkreislaufs, die Endlagerung, gelenkt. Weniger bekannt ist der Anfang in den Uranminen.

Die deutschen Betreiber von Atomkraftwerken kaufen knapp die Hälfte des Brennstoffs in Frankreich, das wiederum bis zu 40% des Urans aus dem westafrikanischen Land Niger bezieht. Niger liegt bisher an 6. Stelle des Uranexportes in der Welt und wird weiter aufholen. Unter welchen Bedingungen wird dort Uran abgebaut?  Dazu gibt es zahlreiche Berichte. Zu fragen ist, ob nicht  auch die deutschen Energieunternehmen Verantwortung für die Arbeits- und Umweltbedingungen in dem bitterarmen afrikanischen Land haben?

Zweit wichtigstes afrikanisches Land bei der Urangewinnung ist Namibia mit 7% der Weltproduktion. Schon zu Apartheidzeiten wurden die Arbeitsbedingungen an der größten Mine, der Rössingmine, beklagt. Die Arbeitsbedingungen haben sich etwas gebessert, aber nicht ausreichend. Heute weist das Uranunternehmen auf die schlechte Lebensführung der Arbeiter und auf Aids hin, wenn es um Krankheiten und Todesfälle unter den Beschäftigten geht. Es ignoriert die Mängel beim Arbeitsschutz, den fallenden Grundwasserspiegel und das ausgasende Radom, die Chemikalien und radioaktiven Partikel, die vom Regen aus den Abraumhalden geschwemmt oder vom Wind im Land verteilt werden.

In mehr als einem Dutzend afrikanischer Länder sucht der französische Energiekonzern AREVA  nach neuen Uranminen. Der Bedarf an Uran ist nicht nur in Frankreich groß, auch Deutschland braucht wegen der Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken neue Uranvorkommen. Der Rohstoff ist knapp und wird um so teurer, je mehr Länder wie die Schwellenländer China und Indien sich mit den bisherigen Industrieländern um das rare Gut streiten werden.

Die Folgen des Abbaus in Afrika sind schwerwiegend: Gesundheitsschäden, Umweltverseuchung, Wasserverbrauch und soziale Unruhen.

Dorothea Kerschgens wird eine Einführung in das Thema geben und zur Diskussion anregen.
Das Nord-Süd-Forum trifft sich am Dienstag, 23.11. um 20 Uhr im Mehrgenerationenhaus, Klostergasse 5a. Interessierte Gäste sind willkommen.

Weitere Informationen: www.nuclear-risks.org, www.wise-uranium.org, www.uranium-network.org, http://www.dradio.de/dlf/sendungen/dasfeature/1267473/
(Sendung am 26.10.2010 – Die saubere Lösung -Vom Niger und deutschen Atomkraftwerken“)